Wie häufig sind Feuchte- und Schimmelschäden überhaupt?
Viele Menschen halten Schimmel in Wohnungen noch immer für einen seltenen Sonderfall. Die WHO zeichnet ein anderes Bild. In ihrer Leitlinie „WHO guidelines for indoor air quality: dampness and mould“ wird deutlich, dass Feuchte- und Schimmelindikatoren in Innenräumen weit verbreitet sind. Je nach Region, Gebäudebestand, sozialem Umfeld und Erfassungsmethode bewegen sich die Angaben in einem erstaunlich großen Bereich. Die WHO nennt für viele wohlhabende Länder eine Größenordnung von 10 bis 50 % betroffener Innenräume und weist darauf hin, dass die Prävalenz in bestimmten Lagen und sozialen Kontexten sogar über 50 % liegen kann.
Die WHO-Botschaft: Das Problem ist weit verbreitet
In Kapitel 5.2 fasst die WHO die Lage sehr klar zusammen:
Die Prävalenz von indoor dampness variiert zwar erheblich zwischen Ländern, Kontinenten und Klimazonen, sie wird aber in Australien, Europa, Indien, Japan und Nordamerika auf 10–50 % der Innenräume geschätzt. In bestimmten Umgebungen, etwa in Flusstälern oder Küstenregionen, können die Feuchtebedingungen deutlich schwerwiegender sein als im nationalen Durchschnitt.
Diese Aussage ist für den deutschen Markt sehr wichtig. Sie zeigt, dass Feuchte- und Schimmelschäden kein Randphänomen, sondern ein verbreitetes Wohn- und Gesundheitsproblem sind.
Was die WHO unter „häufig“ konkret versteht
Bereits in Kapitel 2.1 verweist die WHO auf mehrere Studien aus Europa, Kanada und den USA. Danach hatten mindestens 20 % der Gebäude ein oder mehrere Anzeichen von Feuchte. Eine große Untersuchung mit 16.190 Personen in Dänemark, Estland, Island, Norwegen und Schweden ergab eine Gesamtprävalenz von 18 %, mit Spannweiten von 12,1 % in Göteborg bis 31,6 % in Tartu.
Für die Vereinigten Staaten verweist die WHO auf eine Schätzung, nach der die Prävalenz von dampness or mould in houses bei etwa 50 % liegt.
Diese Zahlen zeigen bereits, wie groß die Spannbreite ist. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass schon in gut untersuchten westlichen Ländern ein erheblicher Teil des Gebäudebestands betroffen ist.
Internationale Beispiele aus dem WHO-Dokument
Die WHO führt zusätzlich mehrere internationale Beispiele an, die die große Verbreitung des Problems unterstreichen:
- In ländlichen Regionen Taiwans berichteten 12,2 % der Befragten, ihre Wohnung sei feucht; 30,1 % berichteten sichtbaren Schimmel im letzten Jahr; 43,4 % meldeten stehendes Wasser, Wasserschäden oder Leckagen; insgesamt lagen bei 60 % mindestens eine dieser Erscheinungen vor.
- In Singapur lag die berichtete Prävalenz von Feuchte im Schlafzimmer bei 5 %, die von Schimmel bei 3 %.
- In drei Städten in China berichteten etwa 11 % der Eltern von Schimmel an Decken und Wänden.
- In einer japanischen Studie wurde Kondensation an Fenstern oder Wänden in 41,7 % der Häuser berichtet; 15,6 % hatten sichtbaren Schimmel.
- In einer Fall-Kontroll-Studie im Westjordanland und Gazastreifen hatten 56 % der Wohnungen sichtbaren Schimmel an Wänden und Decken; in Flüchtlingslagern lag der Anteil sogar bei etwa 75 %. Eine weitere Studie fand dort 78,2 % Häuser mit Feuchteproblemen, Leckagen oder Innenraumschimmel.
Diese Beispiele zeigen, dass die WHO nicht nur von vereinzelten Einzelfällen spricht, sondern von einem weltweit verbreiteten Problem, dessen Ausmaß regional stark schwanken kann.
Warum die WHO eine Spannweite von 10 bis 50 % nennt
Die WHO erklärt auch, warum sich die Prävalenz nicht auf eine einzige Zahl festlegen lässt. Es fehlt ein absoluter Goldstandard für die Erfassung von „house dampness“, und die Ergebnisse hängen unter anderem davon ab,
- welche Indikatoren abgefragt werden,
- ob es um sichtbaren Schimmel, Geruch, Kondensation, Wasserschäden oder Leckagen geht,
- ob die Daten auf Selbstauskunft oder Inspektionen beruhen,
- und wie detailliert die Fragen formuliert sind.
Genau deshalb formuliert die WHO vorsichtig, dass die exakte Prävalenz nicht sicher bestimmt werden kann, sie aber in wohlhabenden Ländern wahrscheinlich in der Größenordnung von 10–50 % liegt.
Nicht nur einzelne Wohnungen, sondern ein Bevölkerungsproblem
Besonders wichtig ist die Einordnung der WHO, dass die Verbreitung von Feuchteproblemen ein Public-Health-Thema ist. In Kapitel 2.1 heißt es ausdrücklich, dass wegen der Häufigkeit von Dampness ein erheblicher Teil der Bevölkerung einem Risiko gesundheitlicher Folgen ausgesetzt ist.
Hinzu kommt Kapitel 4.1.5: Dort weist die WHO darauf hin, dass dampness-related risk factors mit einem erheblichen Anteil menschlicher Atemwegserkrankungen verbunden sein können. Für die USA wird sogar abgeschätzt, dass 21 % des aktuellen Asthmas auf residential dampness and mould zurückzuführen sein könnten, wenn die beobachteten Zusammenhänge kausal sind. Diese Zahlen seien vorsichtig zu interpretieren, zeigen aber die mögliche Größenordnung des Problems.
In sozial belasteten Wohnsituationen oft noch häufiger
Die WHO macht auch deutlich, dass Feuchte- und Schimmelschäden nicht gleichmäßig verteilt sind. Sie treten besonders häufig in schlecht instand gehaltenen Wohnungen, in überbelegten Haushalten und in Gebäuden mit unzureichender Heizung, Lüftung oder Dämmung auf. In einkommensschwachen Wohnlagen kann die Prävalenz deutlich über dem nationalen Durchschnitt liegen.
Das ist für Deutschland hoch relevant. Denn auch hier sind es oft gerade ältere, energetisch problematische oder schlecht gepflegte Wohnbestände, in denen Feuchte und Schimmel nicht nur technische, sondern auch soziale und gesundheitliche Belastungen verursachen.
Warum das Thema eher zu- als abnehmen kann
Die WHO weist zudem darauf hin, dass sich das Problem künftig sogar verschärfen kann. Als Gründe nennt sie unter anderem:
- Klimawandel
- mehr Starkregen
- häufigere Überflutungen
- steigende Energiekosten
- unzureichendes Heizen im Winter
- dadurch mehr Kondensation und Innenraumfeuchte.
Damit wird deutlich: Feuchte- und Schimmelschäden sind nicht nur ein Altproblem, sondern auch ein Zukunftsthema.
Was bedeutet das für Wohnungen in Deutschland?
Für den deutschen Wohnungsmarkt lässt sich aus der WHO-Leitlinie klar ableiten:
Feuchte- und Schimmelschäden sind nicht selten, sondern gehören zu den häufigen Problemen in Innenräumen. Je nach Erfassungsweise reicht die Spannweite von merklichen Minderheiten bis hin zu sehr hohen Anteilen betroffener Wohnungen oder Gebäudegruppen.
Für Mieter, Eigentümer und Verwalter ist das wichtig, weil es den Blick schärft: Wer Kondensation, muffigen Geruch, Wasserflecken oder sichtbaren Schimmel beobachtet, hat es nicht mit einer exotischen Ausnahme zu tun, sondern mit einem Problem, das die WHO als weit verbreitet und gesundheitlich relevant beschreibt.
Fazit
Die WHO zeigt deutlich, dass Feuchte- und Schimmelschäden in Innenräumen häufig vorkommen. Für viele Regionen und Länder nennt sie eine Größenordnung von 10 bis 50 % betroffener Innenräume; in bestimmten sozialen oder klimatischen Situationen können die Werte sogar deutlich darüber liegen.
Damit ist Schimmel in Wohnungen kein Randproblem, sondern ein weit verbreitetes Thema mit baulicher und gesundheitlicher Relevanz. Gerade deshalb ist es wichtig, Feuchteanzeichen früh ernst zu nehmen und nicht erst zu handeln, wenn Schäden großflächig sichtbar werden.
Quelle
World Health Organization (WHO): WHO guidelines for indoor air quality: dampness and mould. WHO Regional Office for Europe, 2009.
Besonders relevante Fundstellen für diesen Beitrag: Kapitel 2.1 „Frequency of indoor dampness“ sowie Kapitel 5.1 und 5.2 zur Prävalenz von Feuchteproblemen und ihrer gesundheitlichen Bedeutung.
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