„In meiner Wohnung läuft Wasser an den Wänden herunter.“ Mit dieser außergewöhnlichen Schadensmeldung wurde ich als Schimmelsachverständiger zu einem Ortstermin gerufen.
Vor dem Betreten der Wohnung wusste ich nicht, welches Schadensbild mich tatsächlich erwarten würde. Die Beschreibung klang zunächst nach einem möglichen Leitungswasserschaden, einer undichten Fassade oder einer massiven Durchfeuchtung des Mauerwerks.
Vor Ort zeigte sich jedoch ein anderes und sehr eindrucksvolles Bild: In praktisch allen Gebäudeaußenecken hing flüssiges Wasser an den Wandoberflächen. Die nassen Bereiche erstreckten sich jeweils ungefähr 25 Zentimeter nach links und rechts von der Ecke.
An den kalten Oberflächen bildeten sich Tropfen. Diese wurden größer, lösten sich ab und liefen an den Wänden nach unten. Am Fußboden sammelte sich bereits Wasser.
Der erste Eindruck erinnerte an eine von außen eindringende Feuchtigkeit. Die anschließenden Klima- und Temperaturmessungen zeigten jedoch, dass in diesem Fall ein extremer Kondensationsvorgang vorlag.
Die ersten Messwerte: 24 bis 25 Grad und etwa 70 Prozent Luftfeuchtigkeit
Zu Beginn eines solchen Ortstermins erfasse ich das Raumklima.
In der betroffenen Wohnung wurden festgestellt:
- etwa 24 bis 25 °C Raumlufttemperatur,
- ungefähr 70 % relative Luftfeuchtigkeit,
- vergleichbare Bedingungen in mehreren Räumen,
- stark abgekühlte Gebäudeaußenecken,
- flüssiges Wasser auf den Wandoberflächen.
Die Wohnung war damit nicht zu kalt, sondern deutlich überheizt. Gleichzeitig enthielt die warme Raumluft eine außergewöhnlich große Wasserdampfmenge.
Das ist bauphysikalisch eine sehr kritische Kombination.
Warme Luft kann wesentlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte Luft. Kühlt diese warme und feuchte Raumluft an einer Außenwand oder Gebäudeecke ab, steigt die relative Luftfeuchtigkeit unmittelbar an der Oberfläche stark an. Wird der Taupunkt erreicht oder unterschritten, fällt flüssiges Wasser aus.
Das Umweltbundesamt nennt die Kondensation von Raumluftfeuchte an kalten Wänden, beispielsweise infolge von Wärmebrücken oder unzureichendem Wärmeschutz, als eine typische Ursache von Feuchte- und Schimmelproblemen.
Der Taupunkt ist kein fester Temperaturwert
Ein häufiges Missverständnis lautet: „Tauwasser entsteht immer unterhalb einer bestimmten festen Wandtemperatur.“
Das ist falsch.
Der Taupunkt wird durch zwei veränderliche Randbedingungen bestimmt:
- die aktuelle Raumlufttemperatur,
- die aktuelle relative Luftfeuchtigkeit.
Steigt die Temperatur der Raumluft, kann diese mehr Wasserdampf enthalten. Steigt gleichzeitig die relative Luftfeuchtigkeit, erhöht sich der Taupunkt erheblich.
Der Taupunkt ist daher keine feste Gebäudeeigenschaft. Er muss für die tatsächlich vorhandenen Klimabedingungen berechnet werden.
Genau das machte diesen Praxisfall so außergewöhnlich.
Taupunkttabelle: Wie stark sich das Risiko verändert
Die folgende Tabelle zeigt gerundete Taupunkttemperaturen für unterschiedliche Innenraumklimata. Die Werte wurden mit einer gebräuchlichen Näherungsformel für den Wasserdampfsättigungsdruck berechnet.
| Raumtemperatur | Relative Luftfeuchte | Taupunkt ungefähr |
|---|---|---|
| 20 °C | 50 % | 9,3 °C |
| 22 °C | 55 % | 12,5 °C |
| 24 °C | 60 % | 15,8 °C |
| 24 °C | 65 % | 17,0 °C |
| 24 °C | 70 % | 18,2 °C |
| 25 °C | 70 % | 19,1 °C |
| 25 °C | 75 % | 20,3 °C |
Die Tabelle zeigt den entscheidenden Zusammenhang:
Bei dem häufig als Vergleich verwendeten Raumklima von 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit entsteht sichtbares Tauwasser erst an einer Oberfläche von ungefähr 9,3 °C.
Bei 25 °C und 70 % relativer Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt dagegen bereits bei etwa 19,1 °C.
Das bedeutet: Eine Außenwand muss in diesem Fall nicht extrem kalt sein. Bereits eine Oberflächentemperatur von weniger als ungefähr 19 °C kann zu Kondenswasser führen.
Bei 25 °C und 75 % relativer Luftfeuchtigkeit steigt der Taupunkt sogar auf ungefähr 20,3 °C. Dann kann bereits eine Wand, die sich für den Menschen nur leicht kühl anfühlt, flüssig nass werden.
Warum die häufig genannten 12,6 Grad hier nicht weiterhelfen
Im Zusammenhang mit Wärmebrücken und Schimmel wird häufig eine Oberflächentemperatur von etwa 12,6 °C genannt.
Dieser Wert gilt nicht als universelle Schimmel- oder Tauwassertemperatur.
Er stammt aus einer wärmeschutztechnischen Betrachtung mit festgelegten Randbedingungen, unter anderem etwa 20 °C Raumlufttemperatur und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit. Dabei geht es vor allem darum, eine über längere Zeit schimmelkritische Oberflächenfeuchtigkeit zu vermeiden – nicht um den Beginn sichtbaren Tauwassers.
Ein älterer Leitfaden des Umweltbundesamtes nennt für die zugrunde gelegten normativen Bedingungen eine einzuhaltende raumseitige Oberflächentemperatur von 12,6 °C. Die DIN 4108-2 behandelt die Mindestanforderungen an den Wärmeschutz und an Wärmebrücken; die aktuelle DIN/TS 4108-8 befasst sich vertieft mit der Vermeidung von Schimmelwachstum in Wohngebäuden.
Bei unserem Praxisfall lagen jedoch keine normalen Randbedingungen vor.
Statt 20 °C und 50 % wurden etwa 24 bis 25 °C und rund 70 % gemessen. Dadurch verlagerte sich der Taupunkt auf ungefähr 18 bis 19 °C.
Die bekannte Zahl von 12,6 °C war für die unmittelbare Beurteilung dieses Kondenswasserausfalls deshalb nicht maßgeblich.
Tauwasser und Schimmelwachstum beginnen nicht gleichzeitig
Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht zwischen:
- sichtbarem Tauwasser,
- hoher oberflächennaher Luftfeuchtigkeit,
- möglichem Schimmelpilzwachstum.
Für Schimmelwachstum muss nicht zwingend flüssiges Wasser an der Wand herunterlaufen. Häufig genügt bereits eine länger anhaltend hohe relative Feuchtigkeit direkt an der Materialoberfläche.
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass ungefähr 80 % relative Feuchtigkeit an der Materialoberfläche für Schimmelwachstum ausreichen können.
Deshalb beginnt das Schimmelrisiko bereits oberhalb der eigentlichen Taupunkttemperatur.
Flüssig herablaufendes Wasser ist also nicht der Beginn des Problems, sondern bereits eine extreme Ausprägung.
Beispiel: 25 Grad und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit
Nehmen wir das tatsächlich gemessene Raumklima als Beispiel:
- Raumlufttemperatur: 25 °C
- relative Luftfeuchtigkeit: 70 %
- Taupunkt: ungefähr 19,1 °C
Eine innere Wandoberfläche mit 19 °C erreicht bereits den Bereich der Wasserdampfsättigung.
Bei 17 oder 18 °C Oberflächentemperatur wird der Taupunkt deutlich unterschritten. Es bildet sich nicht nur eine erhöhte Oberflächenfeuchtigkeit, sondern flüssiges Kondenswasser.
Eine ungedämmte Gebäudeaußenecke kann an kalten Wintertagen problemlos unterhalb dieser Temperatur liegen. Dazu ist keine 8 oder 10 °C kalte Oberfläche erforderlich.
Damit erklärt sich, weshalb das Wasser in diesem Fall in großen Mengen an den Wänden herunterlief.
Wie viel Wasser steckt in warmer, feuchter Raumluft?
Relative Luftfeuchtigkeit wird häufig falsch verstanden.
70 % relative Luftfeuchtigkeit bedeutet nicht, dass 70 % der Luft aus Wasser bestehen. Der Wert beschreibt, zu welchem Anteil die Luft bei der jeweiligen Temperatur mit Wasserdampf gesättigt ist.
Bei 25 °C kann ein Kubikmeter vollständig gesättigte Luft grob über 23 Gramm Wasserdampf enthalten. Bei 70 % relativer Feuchtigkeit sind es ungefähr 16 Gramm je Kubikmeter.
Bei 20 °C und 50 % relativer Feuchtigkeit sind es dagegen nur ungefähr 8,6 Gramm je Kubikmeter.
Die warme, feuchte Luft des Praxisfalls enthielt damit annähernd doppelt so viel Wasserdampf wie das häufig verwendete Vergleichsklima von 20 °C und 50 %.
Kühlt diese Luft an der Wand ab, kann sie die enthaltene Feuchtigkeit nicht mehr vollständig in Dampfform halten. Der überschüssige Anteil fällt als Kondenswasser aus.
Woher kommt so viel Feuchtigkeit in einer Wohnung?
Feuchtigkeit entsteht im normalen Wohnalltag ständig.
Typische Quellen sind:
- Duschen und Baden,
- Kochen,
- Wäschetrocknung,
- Waschen,
- Zimmerpflanzen,
- offene Aquarien,
- Reinigung,
- viele anwesende Personen,
- menschliche Atmung und Transpiration.
Auch Personen geben kontinuierlich Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Wie viel Feuchtigkeit entsteht, hängt von Aktivität, Aufenthaltsdauer und Personenzahl ab.
Problematisch wird die Situation, wenn dieser Feuchteeintrag nicht durch ausreichenden Luftwechsel abgeführt wird.
Das Umweltbundesamt empfiehlt, besonders nach dem Kochen, Duschen und bei der Wäschetrocknung zu lüften. Für die allgemeine Verringerung des Schimmelrisikos wird ein Bereich von etwa 40 bis 60 % relativer Raumluftfeuchtigkeit genannt.
Überheizen trocknet eine Wohnung nicht automatisch
Es wird häufig angenommen, eine Wohnung könne durch sehr starkes Heizen automatisch trocken gehalten werden.
Das stimmt nur teilweise.
Wird Luft erwärmt, ohne dass zusätzliche Feuchtigkeit hinzukommt, sinkt zunächst ihre relative Luftfeuchtigkeit. In einer tatsächlich genutzten Wohnung entsteht jedoch laufend neuer Wasserdampf.
Wird stark geheizt, gleichzeitig viel Feuchtigkeit produziert und zu wenig gelüftet, kann die warme Luft sehr große Wasserdampfmengen aufnehmen. Die relative Luftfeuchtigkeit kann trotzdem hoch bleiben.
Trifft diese warme und feuchte Luft anschließend auf eine kältere Außenwand, entsteht ein besonders großes Kondensationspotenzial.
Die Kombination aus:
- 24 bis 25 °C Raumluft,
- etwa 70 % relativer Luftfeuchtigkeit,
- ungedämmten Außenecken
war daher wesentlich problematischer als ein übliches Raumklima.
Weshalb gerade Gebäudeaußenecken betroffen waren
Gebäudeaußenecken stellen klassische geometrische Wärmebrücken dar.
Auf der Außenseite treffen zwei große Fassadenflächen zusammen. Die Wärme wird über eine größere äußere Fläche abgegeben, während auf der Raumseite nur eine vergleichsweise kleine innere Eckfläche zur Wärmeaufnahme zur Verfügung steht.
Dadurch liegt die innere Oberflächentemperatur in der Ecke häufig unter der Temperatur der angrenzenden Wandflächen.
Bei einem ungedämmten Gebäude mit etwa 36,5 Zentimeter starkem Mauerwerk und Innen- sowie Außenputz kann dieser Effekt im Winter deutlich ausgeprägt sein. Wie niedrig die Temperatur tatsächlich wird, hängt unter anderem ab von:
- Mauerwerksart,
- Rohdichte,
- Feuchtegehalt des Mauerwerks,
- Außentemperatur,
- Wind,
- Heizsituation,
- innerer Luftbewegung,
- möglichen Fehlstellen und Materialwechseln.
Die DIN 4108-2 berücksichtigt bei den Mindestanforderungen an den Wärmeschutz ausdrücklich auch Wärmebrücken und Gebäudeecken.
Warum die warme Raumluft die Ecke nicht ausreichend erwärmt
Neben der Wärmeleitung spielt auch die Luftbewegung im Raum eine Rolle.
Die durch Heizkörper oder andere Wärmequellen angeregte Luftströmung erreicht enge Außenecken häufig nur eingeschränkt. Die Luft bewegt sich in einer Raumwalze und strömt teilweise vor der Ecke vorbei.
Dadurch wird weniger Wärme aus der Raumluft auf die Eckoberfläche übertragen.
Zusätzlich können den Wärmeaustausch behindern:
- Schränke,
- Vorhänge,
- Sofas,
- Kartons,
- dicht stehende Betten,
- dekorative Verkleidungen.
Strahlungswärme kann kalte Oberflächen direkter erwärmen. In vielen heutigen Mietwohnungen erfolgt die Wärmeabgabe jedoch hauptsächlich über Heizkörper und Luftbewegung. Die Wirkung ist von Heizsystem, Position, Vorlauftemperatur und Raumgeometrie abhängig.
Die thermografische Untersuchung
Parallel zur Klimamessung wurde die Wohnung thermografisch untersucht.
Dabei zeigten sich die Gebäudeaußenecken als deutlich kältere Oberflächenbereiche. Das Temperaturmuster entsprach dem sichtbaren Wasser- und später zu erwartenden Schimmelbild.
Eine Thermografie kann unter geeigneten Messbedingungen Hinweise geben auf:
- geometrische Wärmebrücken,
- Materialwechsel,
- kalte Sturz- und Eckbereiche,
- ungleichmäßig beheizte Flächen,
- Luftundichtheiten,
- möglicherweise feuchte Baustoffe.
Sie beweist allein jedoch noch nicht die Ursache.
Für eine belastbare Zuordnung mussten in diesem Fall mehrere Befunde gemeinsam betrachtet werden:
- Raumlufttemperatur,
- relative Luftfeuchtigkeit,
- daraus berechneter Taupunkt,
- Oberflächentemperaturen,
- thermografisches Temperaturmuster,
- sichtbares Kondenswasser,
- Übereinstimmung des Schadens mit den Gebäudeaußenecken.
Erst diese Kombination machte die Kondensationsursache nachvollziehbar.
War ausschließlich das Nutzerverhalten verantwortlich?
Eine seriöse Ursachenbewertung darf nicht vorschnell erfolgen.
In diesem Praxisfall lagen zwei wesentliche Einflussgruppen vor:
Bauliche Einflüsse
- ungedämmte Außenwände,
- geometrische Wärmebrücken,
- besonders kalte Gebäudeaußenecken,
- eingeschränkte Erwärmung der Eckbereiche.
Nutzungs- und klimabedingte Einflüsse
- sehr hohe Raumtemperaturen,
- ungefähr 70 % relative Luftfeuchtigkeit,
- erheblicher Feuchteeintrag,
- unzureichende Feuchteabfuhr durch Lüftung.
Ohne die bauliche Wärmebrücke wären die Ecken wahrscheinlich wärmer gewesen. Ohne die extreme Feuchtebelastung hätte der Taupunkt wesentlich niedriger gelegen.
Der Schaden entstand daher aus einer Wechselwirkung.
Die konkrete Verantwortungsbewertung ist davon zu trennen und kann nur anhand sämtlicher Randbedingungen erfolgen. Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar.
Warum 70 Prozent Luftfeuchtigkeit dauerhaft problematisch sind
Das Umweltbundesamt empfiehlt, die relative Raumluftfeuchtigkeit zur Reduzierung des Schimmelrisikos grundsätzlich zwischen etwa 40 und 60 % zu halten. Ein einfaches Hygrometer kann helfen, den Wert zu kontrollieren.
Bei 70 % Raumluftfeuchtigkeit ist die Luft noch nicht vollständig gesättigt. An kalten Bauteilen sieht die Situation jedoch anders aus.
Kühlt sich die Luft unmittelbar an der Wand ab, steigt dort die relative Feuchtigkeit. Die 70 % in der Raummitte können an der kalten Oberfläche schnell zu 80, 90 oder 100 % werden.
Bei 100 % ist die Luft gesättigt. Weitere Abkühlung führt zur Kondensation.
Der Messwert in Raummitte darf deshalb nie isoliert betrachtet werden.
Wann sollte gelüftet werden?
Als alltagstaugliche Orientierung empfehle ich, die relative Luftfeuchtigkeit mit einem Thermohygrometer zu beobachten.
In Wohnräumen sind ungefähr:
- 20 bis 22 °C Raumtemperatur,
- etwa 40 bis 55 % relative Luftfeuchtigkeit
häufig gut beherrschbare Größenordnungen.
Spätestens wenn der Wert während der Heizperiode wiederholt über ungefähr 55 bis 60 % steigt, sollte geprüft werden, ob gelüftet werden muss.
Dies ist kein starrer Grenzwert für jede Wohnung. In einem sehr gut gedämmten Neubau können zeitweise höhere Werte weniger kritisch sein als in einem ungedämmten Altbau mit extrem kalten Ecken.
Je kälter die Bauteiloberflächen sind, desto niedriger muss gegebenenfalls die Raumluftfeuchtigkeit gehalten werden.
Stoßlüften statt dauerhaftes Kippen
Zur schnellen Abfuhr von Feuchtigkeit ist in der Heizperiode kurzes und intensives Stoßlüften meist geeigneter als dauerhaft gekippte Fenster.
Das Umweltbundesamt empfiehlt im Winter in der Regel eine Stoßlüftung für etwa fünf bis zehn Minuten, möglichst mit Durchzug. Währenddessen sollte die Heizung heruntergedreht werden.
Dauerhaft gekippte Fenster können:
- die Laibungen stark auskühlen,
- Energie verschwenden,
- den Luftaustausch ungünstig verteilen,
- Schimmel neben dem Fenster begünstigen.
Besonders nach dem Duschen, Kochen oder Wäschetrocknen sollte die Feuchtigkeit zeitnah abgeführt werden.
Warum ein Thermohygrometer so hilfreich ist
Menschen können relative Luftfeuchtigkeit nur sehr ungenau wahrnehmen.
Eine Wohnung mit 70 % relativer Luftfeuchtigkeit muss sich nicht offensichtlich nass anfühlen. Besonders bei 24 oder 25 °C kann die warme Raumluft zunächst als behaglich empfunden werden.
Ein einfaches Thermohygrometer zeigt dagegen:
- Raumtemperatur,
- relative Luftfeuchtigkeit,
- je nach Gerät auch Taupunkt oder Höchst- und Tiefstwerte.
Das Gerät sollte nicht unmittelbar:
- auf der Fensterbank,
- über einem Heizkörper,
- an einer Außenwand,
- in direkter Sonne,
- neben einer Tür
stehen.
Geeignet ist ein repräsentativer Standort im Aufenthaltsbereich. In problematischen Wohnungen können mehrere Geräte oder Datenlogger sinnvoll sein.
Thermohygrometer richtig ablesen
Ein einzelner Wert ist nur eine Momentaufnahme.
Wichtig ist die Entwicklung:
- Steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Duschen?
- Wie schnell sinkt sie nach dem Lüften?
- Bleibt sie nachts dauerhaft hoch?
- Gibt es Unterschiede zwischen Schlaf- und Wohnräumen?
- Werden 60 oder 70 % über Stunden gehalten?
- Wie verändert sich das Klima bei Frost?
Ein Datenlogger kann Temperatur und Luftfeuchtigkeit über Tage oder Wochen aufzeichnen. Dadurch werden Nutzungs- und Lüftungszyklen deutlich besser erkennbar als bei einer einmaligen Messung.
Was tun, wenn bereits Wasser von der Wand läuft?
Bei flüssigem Kondenswasser besteht sofortiger Handlungsbedarf.
Sinnvolle erste Maßnahmen sind:
- Das Wasser aufnehmen und Oberflächen abtrocknen.
- Mehrmals kurz und intensiv lüften.
- Weitere Feuchteproduktion reduzieren.
- Wäsche nicht in den betroffenen Räumen trocknen.
- Raumtemperaturen auf ein angemessenes Niveau absenken.
- Möbel von kalten Außenecken abrücken.
- Temperatur und Luftfeuchtigkeit kontrollieren.
- Umfangreiche Schäden fachlich untersuchen lassen.
- Bereits vorhandenen Schimmel nicht einfach überstreichen.
- Bei Mietwohnungen den Vermieter beziehungsweise die Hausverwaltung informieren.
Elektrische Geräte und empfindliche Bodenbeläge müssen vor herablaufendem Wasser geschützt werden.
Ist eine Absenkung von 25 auf 20 Grad sinnvoll?
Eine niedrigere Raumtemperatur reduziert nicht automatisch die absolute Wassermenge in der Luft. Wird dieselbe feuchte Luft lediglich abgekühlt, steigt zunächst sogar die relative Luftfeuchtigkeit.
Deshalb muss das Absenken der Temperatur mit einer wirksamen Lüftung verbunden werden.
Das Ziel lautet nicht einfach „weniger heizen“, sondern:
- überschüssige Feuchtigkeit nach außen abführen,
- anschließend angemessen heizen,
- kalte Bauteile nicht vollständig auskühlen lassen,
- starke Temperaturunterschiede zwischen Räumen vermeiden.
Ein sinnvoller Ablauf kann sein:
- intensiv lüften,
- feuchte Außenluft gegen trockenere Winterluft austauschen,
- Fenster schließen,
- Raum wieder gleichmäßig auf ungefähr 20 bis 22 °C temperieren.
Kann ein Luftentfeuchter helfen?
Ein technischer Luftentfeuchter kann bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit unterstützend wirken.
Er ist jedoch kein Ersatz für:
- regelmäßiges Lüften,
- die Beseitigung von Wasserschäden,
- die Sanierung einer durchfeuchteten Außenwand,
- eine Verbesserung extremer Wärmebrücken.
Bei einem akuten Kondensationsproblem kann ein Entfeuchter die Luftfeuchtigkeit schneller senken. Das Gerät muss jedoch ausreichend dimensioniert und sachgerecht betrieben werden.
Die Ursache der hohen Feuchteproduktion muss trotzdem geklärt werden.
Reicht richtiges Lüften bei ungedämmten Außenecken aus?
Bei mäßigen Wärmebrücken kann ein kontrolliertes Raumklima Schimmel häufig verhindern.
Bei sehr kalten Oberflächen, extremen Gebäudeecken oder durchfeuchtetem Mauerwerk kann Lüften allein jedoch an Grenzen stoßen.
Dann sind möglicherweise bauliche Maßnahmen zu prüfen, beispielsweise:
- Außendämmung,
- fachgerecht geplante Innendämmung,
- Dämmung einzelner Wärmebrücken,
- Verbesserung der Heizwärmeverteilung,
- Beseitigung von Durchfeuchtungen,
- Anpassung der Möblierung.
Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt von Gebäude, Fassade, Denkmalschutz, Wandaufbau und Schadenursache ab.
Schimmelbildung nach dem Kondenswasserschaden
Bleiben Wandoberflächen über längere Zeit nass, entstehen günstige Wachstumsbedingungen für Schimmelpilze.
Das Umweltbundesamt stellt klar, dass Schimmelpilzsporen in Innenräumen grundsätzlich vorhanden sind, aber erst auf ausreichend feuchten Oberflächen wachsen können.
Besonders gefährdet sind:
- Tapeten,
- Tapetenkleister,
- Dispersionsfarben,
- Gipsputze,
- Gipskartonplatten,
- Staubablagerungen,
- Holzwerkstoffe,
- textile Bodenbeläge.
Nach einem starken Kondenswasserschaden reicht es daher nicht immer aus, die Wand oberflächlich abzuwischen.
Zu prüfen sind:
- Dauer der Durchfeuchtung,
- Befallsfläche,
- Materialart,
- Befallstiefe,
- Zustand von Putz und Tapete,
- Feuchtigkeit im Bodenanschluss,
- mögliche verdeckte Schäden hinter Möbeln und Fußleisten.
Typische Fehler bei extrem hoher Raumluftfeuchtigkeit
Nur stärker heizen
Ohne Abfuhr der Feuchtigkeit kann warme Luft noch mehr Wasserdampf aufnehmen. An kalten Bauteilen steigt der mögliche Kondensatausfall.
Nur die Wände abwischen
Die Ursache des hohen Feuchtegehalts bleibt bestehen.
Das Hygrometer direkt auf die Fensterbank stellen
Dort werden lokale und häufig nicht repräsentative Werte gemessen.
12,6 Grad als universelle Tauwassertemperatur ansehen
Der tatsächliche Taupunkt wird aus Raumtemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnet.
Nur das Gebäude verantwortlich machen
Eine bauliche Wärmebrücke muss ebenso untersucht werden wie das tatsächliche Raumklima und der Feuchteeintrag.
Nur dem Bewohner die Schuld geben
Ohne Bewertung von Wärmeschutz, Oberflächentemperatur und Gebäudekonstruktion ist eine solche Aussage nicht belastbar.
Fenster dauerhaft kippen
Dadurch können angrenzende Wandflächen zusätzlich auskühlen.
Nasse Möbel direkt an der Außenwand stehen lassen
Die Luftbewegung wird weiter eingeschränkt und verdeckter Schimmel kann entstehen.
Der Begriff „Taupunktverschiebung“
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird bei wechselnden Raumklimabedingungen häufig von einer Taupunktverschiebung gesprochen.
Gemeint ist, dass sich die Taupunkttemperatur verändert, wenn:
- die Raumlufttemperatur steigt oder fällt,
- die relative Luftfeuchtigkeit steigt oder fällt,
- sich die absolute Wasserdampfmenge verändert.
Wichtig ist die Abgrenzung zur bauphysikalischen Taupunktlage innerhalb eines mehrschichtigen Bauteils. Dort kann „Taupunktverschiebung“ auch die rechnerische Lage einer möglichen Kondensation innerhalb der Konstruktion meinen.
In diesem Praxisfall geht es um die variable Taupunkttemperatur der Raumluft.
Ein Vergleich, der das Problem verständlich macht
Stellen wir zwei Wohnungen gegenüber:
Wohnung A
- 20 °C Raumtemperatur
- 50 % relative Luftfeuchtigkeit
- Taupunkt etwa 9,3 °C
Eine Außenwand mit 16 °C liegt deutlich oberhalb des Taupunkts. Sichtbares Kondenswasser entsteht dort unter diesen momentanen Bedingungen nicht.
Wohnung B
- 25 °C Raumtemperatur
- 70 % relative Luftfeuchtigkeit
- Taupunkt etwa 19,1 °C
Dieselbe Außenwand mit 16 °C liegt nun mehr als drei Grad unterhalb des Taupunkts. Es fällt flüssiges Kondenswasser aus.
Die Wand hat sich nicht verändert. Verändert hat sich das Raumklima.
Genau deshalb müssen bei einer Schimmel- oder Feuchteuntersuchung immer beide Seiten betrachtet werden:
- die thermische Qualität der Konstruktion,
- die tatsächlichen Innenraumbedingungen.
Wie der Sachverständige den Schaden beweissicher untersucht
Eine belastbare Untersuchung kann umfassen:
- Fotodokumentation,
- Erfassung von Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit,
- Taupunktberechnung,
- Oberflächentemperaturmessungen,
- Thermografie,
- Bauteilfeuchtemessungen,
- Prüfung des Wandaufbaus,
- Datenloggeraufzeichnungen,
- Untersuchung des Schimmelbefalls,
- bauphysikalische Plausibilitätsberechnung.
Dabei werden Beobachtung, Messwert, mögliche Ursache und gesicherte Feststellung klar voneinander getrennt.
Eine einzelne Thermografie oder ein einzelner Hygrometerwert reicht für eine vollständige Verantwortungsbewertung nicht aus.
Was Mieter aus diesem Fall lernen können
Mieter sollten Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit nicht nur nach Gefühl beurteilen.
Hilfreich sind:
- Thermohygrometer in den wichtigsten Räumen,
- zusätzliche Kontrolle im Schlafzimmer,
- Lüften nach Feuchtespitzen,
- Beobachtung der Werte während der Heizperiode,
- Abstand größerer Möbel zu kalten Außenwänden,
- frühzeitige Meldung von Kondenswasser und Schimmel.
Steigt die relative Luftfeuchtigkeit wiederholt über etwa 55 bis 60 %, sollte geprüft werden, wodurch sie entsteht und wie sie wirksam gesenkt werden kann.
Was Vermieter und Hausverwaltungen beachten sollten
Auch bei auffällig hoher Raumluftfeuchtigkeit sollte der bauliche Zustand nicht ungeprüft bleiben.
Zu untersuchen sind insbesondere:
- Wärmeschutz der Außenwände,
- geometrische und konstruktive Wärmebrücken,
- Durchfeuchtung des Mauerwerks,
- Heizkörperanordnung,
- Fenster und Lüftungsmöglichkeiten,
- wiederkehrende Schäden in baugleichen Wohnungen.
Treten identische Schäden in mehreren Wohnungen an denselben Gebäudeecken auf, kann dies für einen systematischen baulichen Einfluss sprechen.
Wann sollte ein Sachverständiger eingeschaltet werden?
Eine fachliche Untersuchung ist besonders sinnvoll, wenn:
- Wasser sichtbar an den Wänden herunterläuft,
- mehrere Räume betroffen sind,
- Schimmel nach der Reinigung zurückkehrt,
- die Ursachen zwischen Mieter und Vermieter strittig sind,
- hohe Luftfeuchten trotz Lüftung bestehen bleiben,
- Außenecken auffällig kalt sind,
- eine Dämmmaßnahme geplant wird,
- ein gerichtsfester oder versicherungsgeeigneter Befund benötigt wird.
Fazit: Der Taupunkt wandert mit dem Raumklima
Der beschriebene Praxisfall zeigt eindrücklich, dass der Taupunkt kein fester Wert ist.
Bei einem Vergleichsklima von 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit liegt er bei ungefähr 9,3 °C. In der untersuchten Wohnung wurden jedoch 24 bis 25 °C und rund 70 % relative Luftfeuchtigkeit gemessen.
Dadurch stieg der Taupunkt auf ungefähr 18 bis 19 °C.
Die ungedämmten Gebäudeaußenecken mussten daher nicht außergewöhnlich kalt sein. Bereits bei für Altbauten durchaus üblichen Oberflächentemperaturen konnte flüssiges Wasser kondensieren.
Das Schadensbild entstand aus dem Zusammenwirken von:
- geometrischen Wärmebrücken,
- ungedämmten Außenwänden,
- eingeschränkter Luftbewegung in den Ecken,
- sehr hoher Raumtemperatur,
- außergewöhnlich hoher Raumluftfeuchtigkeit,
- unzureichender Abfuhr der Wohnfeuchte.
Die wichtigste Empfehlung lautet:
Stellen Sie ein Thermohygrometer auf und kontrollieren Sie Ihr Raumklima regelmäßig.
Für Wohnräume sind ungefähr 20 bis 22 °C und eine relative Luftfeuchtigkeit in der Nähe von 50 % häufig ein gutes Ziel. Steigen die Werte während der Heizperiode wiederholt über etwa 55 bis 60 %, sollte bedarfsgerecht stoßgelüftet und die Ursache des Feuchteanstiegs geprüft werden.
Gleichzeitig darf eine bauliche Wärmebrücke nicht pauschal durch den Hinweis auf richtiges Lüften abgetan werden.
Eine abschließende Bewertung ist erst möglich, wenn Raumklima, Oberflächentemperaturen, Bausubstanz und Nutzung gemeinsam untersucht wurden.
Häufige Fragen zu Tauwasser an Wänden
Warum läuft Wasser an meiner Außenwand herunter?
Häufig kondensiert warme, feuchte Raumluft an einer kalten Wandoberfläche. Möglich sind aber auch Schlagregen, Leitungswasserschäden oder feuchtes Mauerwerk. Die konkrete Ursache muss vor Ort untersucht werden.
Wie wird der Taupunkt berechnet?
Der Taupunkt ergibt sich aus Raumlufttemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit. Er steigt deutlich an, wenn die Luft wärmer und zugleich feuchter wird.
Wie hoch ist der Taupunkt bei 25 Grad und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit?
Er liegt bei ungefähr 19,1 °C. Eine Wandoberfläche unterhalb dieser Temperatur kann unter diesen momentanen Bedingungen Kondenswasser bilden.
Sind 12,6 Grad die allgemeine Taupunkttemperatur?
Nein. Bei 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt ungefähr bei 9,3 °C. Die häufig genannten 12,6 °C beziehen sich auf eine schimmelkritische Oberflächentemperatur unter bestimmten normativen Randbedingungen.
Kann eine 18 Grad warme Wand bereits nass werden?
Ja. Bei 25 °C Raumtemperatur und 70 % relativer Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt bei rund 19,1 °C. Eine 18 °C warme Oberfläche befindet sich dann bereits unterhalb des Taupunkts.
Welche Luftfeuchtigkeit ist in Wohnräumen sinnvoll?
Als allgemeine Orientierung nennt das Umweltbundesamt etwa 40 bis 60 %. In ungedämmten Gebäuden mit kalten Außenwänden kann während des Winters ein niedrigerer Wert sinnvoll sein.
Hilft ein Thermohygrometer gegen Schimmel?
Das Gerät verhindert keinen Schimmel, macht aber kritische Raumklimabedingungen frühzeitig sichtbar. Dadurch kann rechtzeitig gelüftet und nach der Ursache hoher Feuchtewerte gesucht werden.
Ist immer der Mieter schuld, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist?
Nein. Das gemessene Raumklima muss zusammen mit Wärmeschutz, Wärmebrücken, Heizsystem, Lüftungsmöglichkeiten und möglichen Feuchtequellen bewertet werden. Eine pauschale Verantwortungszuordnung ist nicht fachgerecht.
Wasser oder Schimmel an der Außenwand? Lassen Sie Raumklima und Bausubstanz gemeinsam untersuchen
Läuft Wasser an Wänden herunter, bildet sich Schimmel in den Außenecken oder bleiben die Luftfeuchtewerte trotz Lüftung ungewöhnlich hoch, sollte nicht nur die sichtbare Oberfläche betrachtet werden.
Als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Holz- und Bautenschutz mit besonderer fachlicher Tätigkeit im Bereich Schimmelpilzerkennung und Sanierung untersuche ich:
- Raumtemperatur und relative Luftfeuchtigkeit,
- Taupunkt und schimmelkritische Oberflächenbedingungen,
- Oberflächentemperaturen,
- geometrische und konstruktive Wärmebrücken,
- ungedämmte Außenwände,
- sichtbare und verdeckte Feuchteschäden,
- Kondenswasser- und Schimmelpilzschäden,
- Heizungs-, Lüftungs- und Nutzungseinflüsse.
Je nach Fragestellung kommen Thermografie, Feuchtemessungen, Datenlogger, mikrobiologische Untersuchungen und bauphysikalische Berechnungen zum Einsatz.
Ich unterstütze private Mieter und Vermieter, Eigentümer, Hausverwaltungen, Wohnungsunternehmen, Sanierungsbetriebe, Rechtsanwälte sowie öffentliche und gerichtliche Auftraggeber.
Sachverständigenbüro Charles Knepper
Kirchweg 4
06295 Lutherstadt Eisleben
Funk: 0177 4007130
E-Mail: gutachter-knepper@online.de
https://schimmelhilfe24.de
https://holzschutz-gutachten24.de
https://gutachter-knepper.de
https://bauschaden24.eu
Bundesweit für private, gewerbliche, öffentliche und gerichtliche Auftraggeber tätig.
