Wenn es muffig riecht – aber kein Schimmel sichtbar ist: Fallbeispiel aus Halle (Saale)

Verdeckter Schimmelpilzbefall nur durch Luftkeimuntersuchung erkannt

Einleitung: Wenn der Geruch mehr sagt als das Auge sieht

Ein muffiger, leicht chemisch-süßlicher Geruch in Wohnräumen kann ein erstes Anzeichen für mikrobiellen Befall sein – auch dann, wenn keine sichtbaren Schimmelflächen vorhanden sind. Gerade bei verdeckten Schäden in Hohlräumen, unter Fußböden oder hinter Einbauten bleibt Schimmel oft über Monate oder Jahre unentdeckt.

Bei Frau Jarowek aus Halle (Saale) trat genau dieser Fall ein. Die Mieterin kontaktierte unser Sachverständigenbüro für Schimmelpilzdiagnostik, nachdem sie über längere Zeit einen undefinierbaren Geruch in ihrer Wohnung wahrnahm, den sie selbst nicht lokalisieren konnte. Sichtbare Feuchteschäden oder Schimmelflecken gab es nicht – doch das Gefühl blieb: „Irgendetwas stimmt hier nicht.“


Der Schaden: Unerklärlicher, muffig-chemischer Geruch in mehreren Räumen

Die betroffene Wohnung war auf den ersten Blick in gepflegtem Zustand. Keine auffälligen Wasserschäden, kein Schimmel sichtbar. Dennoch klagte Frau Jarowek über:

  • Einen leicht süßlich-modrigen Geruch, vor allem morgens und abends
  • Unwohlsein und Kopfschmerzen nach längerer Aufenthaltsdauer
  • Geruchsbildung insbesondere im Wohn- und Schlafzimmer

Mehrfache Reinigungsmaßnahmen, Textilaustausch und das Entfernen von Pflanzen hatten keine Wirkung. Auch das Lüften brachte nur kurzzeitige Linderung.


Ortstermin: Keine sichtbaren Schäden – aber messbare Auffälligkeiten

Bei der Besichtigung konnten zunächst keine sichtbaren Schimmelspuren festgestellt werden. Es gab:

  • Keine Feuchteflecken an Wänden oder Decken
  • Keine auffälligen Wärmebrücken oder Tauwasserschäden
  • Kein Schimmelgeruch beim Öffnen von Sockelleisten oder Möbeltüren

Dennoch war der Geruch für erfahrene Nasen klar mikrobiellen Ursprungs. Deshalb wurde eine raumluftbasierte Schimmelpilzanalyse empfohlen – eine Luftkeimuntersuchung, mit der unsichtbarer oder verdeckter Schimmelpilzbefall nachgewiesen werden kann.


Durchführung der Luftkeimuntersuchung

Es wurde eine Raumluftprobe mittels Impaktionsverfahren genommen, beprobt auf zwei gängige Nährböden:

  • MEA (Malt-Extract-Agar) – zur allgemeinen Detektion von Schimmelpilzen
  • DG18 (Dichloran-Glycerin) – zur Erkennung austrocknungstoleranter Arten und zur Quantifizierung

Die Proben wurden unter standardisierten Bedingungen im akkreditierten Biolabor bebrütet und nach sieben Tagen ausgewertet.


Ergebnis der mikrobiologischen Analyse

Die Luftproben ergaben eine deutlich erhöhte Konzentration an Schimmelpilzsporen, insbesondere:

  • Aspergillus versicolor
  • Penicillium chrysogenum
  • Cladosporium sphaerospermum

Diese Arten sind typisch für verdeckte Schimmelpilzherde, etwa in:

  • Leicht durchfeuchteten Hohlräumen
  • Dämmmaterialien unter Fußböden
  • Hinter Trockenbaukonstruktionen
  • In unzugänglichen Wandhohlräumen

Die gemessenen Konzentrationen lagen signifikant über den Referenzwerten, insbesondere in Schlafzimmer und Flur.


Bauphysikalischer Hintergrund: Warum bleibt der Schimmel oft unsichtbar?

Schimmelpilze benötigen zum Wachsen Feuchtigkeit, organisches Material und Zeit. Viele Materialien im Innenausbau – etwa Gipskarton, OSB, Teppichrücken, Tapetenkleister – bieten ideale Nährböden.

Problematisch sind verdeckte Bereiche, z. B.:

  • Hinter Vorwandinstallationen
  • Unter Laminat mit dampfdichter Trittschalldämmung
  • In feuchtegeschädigter Estrichdämmung
  • In Fugen, die nicht austrocknen können

Wird dort ein Wasserschaden nicht erkannt oder nicht vollständig beseitigt, kann verdeckter mikrobieller Befall entstehen, der über die Raumluft spürbar wird – lange bevor sichtbare Flecken auftreten.


Was der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes dazu sagt

Laut dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes (2024) ist eine Luftkeimuntersuchung ein bewährtes Mittel zur Aufdeckung verdeckter Schimmelquellen, wenn:

  • Geruchsbelästigung vorliegt, aber keine sichtbaren Spuren
  • Nutzer gesundheitliche Beschwerden schildern
  • der Verdacht auf mikrobiellen Befall besteht, jedoch keine eindeutige Ursache erkennbar ist

Der Leitfaden betont auch: Geruch allein kann bereits ein hygienisch relevanter Hinweis auf Schimmelpilz sein.


Unsere sachverständige Bewertung – neutral, anerkannt, wissenschaftlich fundiert

Die Bewertung in diesem Fall ergab:

  • Verdeckter Schimmelpilzbefall in mindestens zwei Wohnbereichen
  • Keine sichtbare Ausdehnung – aber mikrobielle Aktivität über die Luft nachweisbar
  • Bauphysikalisch plausibler Verdacht auf Feuchteschaden in Hohlräumen
  • Es bestand ein gesundheitlich relevanter Handlungsbedarf

Eine Untersuchung der raumumschließenden Bauteile sowie der potenziellen Schadensorte wurde empfohlen. Die Sanierungslösung wurde individuell erstellt – die genauen Maßnahmen bleiben vertraulich.


Typische Warnzeichen für verdeckten Schimmelpilzbefall

  • Modriger, muffiger oder „chemischer“ Geruch, besonders morgens oder nach längerem Verschließen
  • Kopfschmerzen, Atemwegsreizungen, Allergien ohne erkennbare Ursache
  • Keine sichtbaren Schäden, aber Feuchtegeschichte im Objekt
  • Fehlender Lüftungserfolg – der Geruch kommt immer wieder
  • Leichte Kondensatbildung oder kalte Wandbereiche ohne Flecken

Fazit: Der Fall Jarowek – Wenn die Nase der beste Frühwarnsensor ist

Der Fall aus Halle (Saale) zeigt, dass Schimmelpilz nicht immer sichtbar sein muss, um ein ernstes hygienisches Problem darzustellen. Gerade verdeckte Schäden können zu langfristiger Belastung führen – sowohl für die Bausubstanz als auch für die Gesundheit der Bewohner.

Durch die sachverständige Analyse und die gezielte Luftkeimuntersuchung konnte der verdeckte Schaden zweifelsfrei festgestellt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Ohne diese Diagnostik wäre der Schaden vermutlich lange unerkannt geblieben.


Muffiger Geruch – aber kein Schimmel sichtbar? Vertrauen Sie Ihrer Nase und lassen Sie prüfen

Geruch ist ein Frühwarnzeichen. Wir helfen Ihnen, verborgene Schimmelpilzquellen zuverlässig zu identifizieren – mit modernster Messtechnik und jahrzehntelanger Erfahrung.

Sachverständigenbüro Charles Knepper
06295 Lutherstadt Eisleben – Kirchweg 4
Funk: 0177 – 4007130
E-Mail: gutachter-knepper@online.de

Weitere Informationen:
https://schimmelhilfe24.de
https://holzschutz-gutachten24.de
https://gutachter-knepper.de
https://bauschaden24.eu


Quellen:

  • Umweltbundesamt: Leitfaden zur Schimmelsanierung 2024
  • WTA-Merkblatt E-4-12
  • Eigene mikrobiologische Untersuchungen (Sachverständigenbüro Knepper)

Charles Knepper

öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Halle / Saale

Schreibe einen Kommentar