Welche Wasserquellen nennt die WHO als Ursache für Feuchteschäden?
Wenn über Schimmel in Wohnungen gesprochen wird, steht oft zuerst der sichtbare Befall im Vordergrund. Die eigentliche Ursache liegt aber fast immer in der Feuchtequelle. Genau hier ist die WHO sehr klar. In ihrer Leitlinie „WHO guidelines for indoor air quality: dampness and mould“ zeigt sie, dass Feuchteschäden aus ganz unterschiedlichen Wasserquellen entstehen können. Genannt werden ausdrücklich Regen, Bodenfeuchte, Schmelzwasser, Überflutungen, Leckagen in Rohrsystemen und Haustechnik sowie normale Feuchteeinträge durch Duschen, Kochen, Reinigung, Wäsche und Bewohner.
Die zentrale WHO-Aussage
In Figure 1 der Leitlinie ordnet die WHO die Quellen der Feuchte sehr systematisch. Sie unterscheidet zwischen:
Umgebungs- bzw. natürlichen Wasserquellen
- Regen
- Bodenfeuchte / Bodenwasser
- schmelzender Schnee
- Überflutung durch Oberflächenwasser
Anthropogenen bzw. technischen Wasserquellen
- Rohrleitungen / Plumbing
- Wasserversorgung
- Abwasser
- Heizsysteme
- Feuerlöschsysteme
Normalen Wasseremissionen im Innenraum
- Kochen
- Reinigung
- Duschen / Baden
- Geschirrspülen
- Waschen und Trocknen von Wäsche
Bewohnerbezogenen Feuchtequellen
- Atmung
- Schwitzen
- Tiere
- Pflanzen.
Diese WHO-Systematik ist für die Praxis besonders wertvoll, weil sie zeigt:
Feuchteprobleme entstehen nicht nur durch den klassischen Wasserschaden, sondern oft auch durch alltägliche, wiederkehrende Feuchteeinträge.
1. Regen und Wasser von außen
Die WHO nennt Regen ausdrücklich als eine der wichtigsten natürlichen Wasserquellen. Im technischen Teil des Dokuments wird näher erläutert, dass Regenwasser über Dach, Außenwände, Fenster oder Fundamente in die Gebäudehülle eindringen kann. Die Folge können Schimmelwachstum, abblätternde Farbe, Holzschäden oder Korrosion sein.
Für den deutschen Markt ist das hoch relevant. Denn viele Feuchteschäden beginnen nicht im Rauminneren, sondern durch:
- undichte Dächer,
- schadhafte Anschlüsse,
- Fensterprobleme,
- mangelhafte Abdichtungen,
- fehlerhafte Fassadendetails.
Die WHO macht damit deutlich, dass Feuchteschutz immer auch Schutz vor eindringendem Außenwasser ist.
2. Bodenfeuchte, Grundwasser und kapillar aufsteigende Feuchte
Als weitere natürliche Quelle nennt die WHO ground moisture/water, also Bodenfeuchte bzw. Bodenwasser. Im technischen Kapitel wird das durch capillary suction, also kapillaren Feuchtetransport in porösen Materialien, ergänzt. Wasser kann aus dem Erdreich oder aus feuchten Bauteilen in Beton, Mauerwerk oder Holz aufsteigen und sich in empfindlichen Baustoffen verteilen.
Diese Ursache spielt besonders bei:
- Kellern,
- erdberührten Bauteilen,
- Sockelbereichen,
- fehlenden oder defekten Sperren,
- älteren Bestandsgebäuden
eine große Rolle.
3. Schmelzwasser und Überflutungen
Die WHO nennt ausdrücklich auch melting snow und flooding (surface water) als Wasserquellen. Damit wird klar, dass nicht nur der kleine Alltagsfeuchteeintrag zählt, sondern auch größere klimatische oder wetterbedingte Ereignisse. Überflutungen und Hochwasser werden von der WHO zudem im Zusammenhang mit künftig steigenden Risiken erwähnt.
Gerade in hochwassergefährdeten oder stark regenbelasteten Gebieten sind diese Quellen für Feuchteschäden besonders relevant.
4. Rohrleitungen, Wasserversorgung und Abwasser
Bei den anthropogenen Quellen nennt die WHO Plumbing, Water supply und Sewage ausdrücklich. Im technischen Kapitel werden plumbing leaks and spills als typische Ursachen von Feuchteschäden beschrieben. Solche Probleme können aus Fehlern bei Planung, Installation, Betrieb oder Wartung resultieren.
Das betrifft in der Praxis etwa:
- undichte Trinkwasserleitungen,
- defekte Abwasserleitungen,
- schadhafte Anschlüsse,
- leckende Armaturen,
- nicht bemerkte Tropf- oder Schleichleckagen.
Die WHO weist darauf hin, dass gerade solche Schäden häufig zu spät erkannt werden und dann tief in Bauteile einwirken können.
5. Heizsysteme, Feuerlöschsysteme und technische Anlagen
Neben klassischen Rohrsystemen nennt die WHO auch heating systems und fire extinguisher systems als mögliche Wasserquellen. Außerdem beschreibt sie Feuchteprobleme durch schlechte Kondensatableitung oder Fehlfunktionen in Heizungs-, Lüftungs- und Klimasystemen. Kondenswasser aus Kühlregistern oder technischen Anlagen kann überlaufen oder unbemerkt austreten.
Damit zeigt die WHO, dass Feuchteprobleme nicht nur von „nassem Wetter“ kommen, sondern auch von Haustechnik und technischen Defekten.
6. Kochen, Duschen, Baden, Reinigung und Geschirrspülen
Besonders alltagsnah ist die WHO-Auflistung der normalen Wasseremissionen im Innenraum. Genannt werden ausdrücklich:
- Kochen
- Reinigung
- Duschen / Baden
- Geschirrspülen
- Waschen und Trocknen von Wäsche.
Diese Quellen sind im Grunde normal und unvermeidbar. Problematisch werden sie dann, wenn die Feuchte nicht ausreichend abgeführt wird oder auf kalte Oberflächen trifft. Genau deshalb verbindet die WHO diese alltäglichen Wasserquellen immer mit Fragen der Lüftung, Temperaturführung und Bauphysik.
7. Waschen und Trocknen von Wäsche
Die WHO nennt washing and drying laundry ausdrücklich als relevante Feuchtequelle in Innenräumen. Das ist für viele Wohnungen in Deutschland besonders wichtig, weil Wäschetrocknen in Wohnräumen oder schlecht belüfteten Bereichen die Luftfeuchte erheblich erhöhen kann.
Gerade in kleinen Wohnungen, in kalten Jahreszeiten oder bei eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit kann dieser Feuchteeintrag zu kritischen Bedingungen beitragen.
8. Bewohner selbst: Atmung und Schwitzen
Ein besonders interessanter WHO-Punkt ist, dass auch die Bewohner selbst als Feuchtequelle genannt werden. Die Leitlinie führt ausdrücklich breathing und perspiration an. Ergänzt werden diese Quellen durch Tiere und Pflanzen.
Das ist fachlich sehr wichtig, weil dadurch klar wird:
Selbst in einer „technisch dichten“ Wohnung entsteht kontinuierlich Feuchte allein durch das normale Leben im Raum. Diese Feuchte muss durch Lüftung, Heizung und geeignete Baukonstruktion beherrscht werden.
9. Eingehende Luft als Feuchtequelle
Die WHO weist außerdem darauf hin, dass ein großer Teil der Feuchte auch über einströmende Luft in Gebäude gelangt. In der Executive Summary heißt es, dass – abgesehen von Einzelereignissen wie Leckagen, Starkregen und Überflutung – die meiste Feuchte über die einströmende Luft sowie durch die Aktivitäten der Bewohner in das Gebäude gelangt.
Das ist ein wichtiger Punkt, weil Feuchteprobleme deshalb immer auch von
- Außenklima,
- Infiltration,
- Luftdichtheit,
- Temperatur,
- Lüftungssystem
und - Nutzung
abhängen.
10. Die WHO beschreibt nicht nur Quellen, sondern auch Feuchtepfade
Besonders stark ist die WHO dort, wo sie zeigt, dass Wasser nicht nur „da ist“, sondern sich im Gebäude weiterbewegen kann. Genannt werden unter anderem:
- kapillarer Feuchtetransport in porösen Materialien,
- Bridging, also Abfließen oder Weiterleiten von Regen-, Kondens- oder Rohrwasser entlang von Bauteilen,
- Infiltration feuchter Außenluft in kühle Bauteile,
- Exfiltration feuchter Innenluft in Wand-, Decken- oder Dachhohlräume,
- falsch platzierte Dampfsperren mit anschließender Kondensation in der Konstruktion.
Für die Praxis heißt das:
Nicht nur die Wasserquelle selbst ist entscheidend, sondern auch die Frage, wohin sich die Feuchte im Bauteil oder Gebäude verlagert.
Warum dieser WHO-Ansatz so wichtig ist
Die WHO macht mit dieser Systematik deutlich, dass Feuchteschäden nicht monokausal sind. Wer nur auf den sichtbaren Schimmelfleck schaut, verpasst oft die eigentliche Ursache. Erst wenn die Feuchtequelle erkannt wird, lässt sich ein Schaden sinnvoll beurteilen und nachhaltig sanieren.
Gerade deshalb ist dieser WHO-Ansatz für Sachverständige, Eigentümer, Verwalter und betroffene Bewohner so wertvoll.
Was das für Wohnungen in Deutschland bedeutet
Für Deutschland ist die WHO-Systematik besonders hilfreich, weil sie viele typische Schadensursachen sauber einordnet:
- Regen und Schlagregen bei Fassaden- oder Dachproblemen
- Bodenfeuchte in Kellern und Sockelbereichen
- Leckagen an Trinkwasser- oder Abwasserleitungen
- Kondensation durch kalte Oberflächen und hohe Innenraumfeuchte
- normale Wohnfeuchte durch Duschen, Kochen und Wäschetrocknen
- Bewohnerbedingte Feuchteeinträge durch Atmung und Nutzung.
Damit wird klar: Feuchteschäden in Wohnungen sind meist das Ergebnis eines Zusammenspiels von Wasserquelle, Bauphysik, Nutzung und Luftführung.
Fazit
Die WHO nennt eine breite Palette von Wasserquellen als Ursache für Feuchteschäden: Regen, Bodenfeuchte, Schmelzwasser, Überflutung, Leckagen in Rohrsystemen, Wasser aus Haustechnik sowie normale Feuchteeinträge durch Kochen, Duschen, Reinigung, Wäsche und Bewohner.
Für die Praxis ist das entscheidend, weil Schimmel und Feuchte nur dann sachgerecht bewertet werden können, wenn die eigentliche Quelle des Wassers erkannt wird. Genau darin liegt die Stärke der WHO-Leitlinie: Sie richtet den Blick weg vom bloßen Befall und hin zur Ursache des Schadens.
Quelle
World Health Organization (WHO): WHO guidelines for indoor air quality: dampness and mould. WHO Regional Office for Europe, 2009.
Besonders relevante Fundstellen für diesen Beitrag: Figure 1 „Pathways linking sources of dampness with health“, Kapitel 3.2 „Sources of moisture“ sowie Executive Summary / Guidelines zu Feuchtequellen und Feuchtemanagement.
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