Was ist eigentlich eine Verdünnungsreihe?

Wie man verdeckten Schimmel und Bakterien in der Estrichdämmung sicher nachweist

Aus der Praxis des Bausachverständigen | schimmelhilfe24.de


Nach einem Wasserschaden – sei es durch einen klassischen Rohrbruch (Leitungswasser), Schmutzwasser aus Haushaltsgeräten (Grauwasser) oder Fäkalien- und Hochwassereintrag (Schwarzwasser) – stellt sich schnell die entscheidende Frage: Muss der Fußbodenaufbau komplett ausgebaut werden oder reicht eine technische Trocknung aus?

Die Antwort liegt meist im Verborgenen: in der Trittschall- und Wärmedämmschicht unter dem Estrich. Da eine bloße Sichtprüfung hier unmöglich ist, kommt im Fachlabor die sogenannte Verdünnungsreihe zum Einsatz.

Was ist das Prinzip einer mikrobiologischen Verdünnungsreihe?

Liegt ein mikrobieller Befall im Dämmstoff (z. B. Polystyrol oder Mineralwolle) vor, befinden sich oft viele Millionen Schimmelpilzsporen und Bakterienzellen in einem einzigen Gramm Material. Würde man dieses Material direkt auf einen Nährboden auftragen, entstünde ein dichter, unzählbarer Biofilm – eine exakte Bestimmung der Keimdichte wäre ausgeschlossen.

Das Laborverfahren im Überblick:

  • 1. Probenaufbereitung: Eine definierte Einwaage des entnommenen Dämmstoffs wird zerkleinert und in einer sterilen Trägerlösung aufgeschwemmt (suspendiert).
  • 2. Stufenweise Verdünnung: Diese Ausgangssuspension wird in definierten Schritten stufenweise verdünnt (z. B. 1:500, 1:5.000 oder in Zehnerpotenzen).
  • 3. Ausstrich auf Nährmedien: Aus den Verdünnungsstufen wird jeweils ein exaktes Volumen auf spezifische Agar-Nährböden ausgestrichen.
  • 4. Inkubation: Nach mehrtägiger Bebrütung (in der Regel 7 Tage bei ca. 25 °C) wachsen auf den passend verdünnten Platten vereinzelte, sauber zählbare Kolonien heran.
  • 5. Quantitative Auswertung: Aus der Koloniezahl und dem Verdünnungsfaktor errechnet das Labor die genaue Konzentration im Ursprungsmaterial: die Koloniebildenden Einheiten pro Gramm (KBE/g).

Der Praxisfall: Beprobung einer Dämmschicht unter dem Wohnzimmerestrich

Im Rahmen einer Vor-Ort-Begutachtung nach einem Wasserschaden wurde die Trittschalldämmung (Polystyrol) unter dem Estrich fachgerecht über eine Kernbohrung ausgestochen, sofort steril verpackt, die Unterseite bzw. Lage gekennzeichnet und an das akkreditierte mykologische Prüflabor übergeben.

Im Labor wurde die Dämmstoffprobe auf drei gezielten Nährmedien inkubiert:

  • MEA (Malzextrakt-Agar, Verdünnung 1:5.000): Vollmedium für das allgemeine Spektrum kultivierbarer Schimmelpilze.
  • DG18 (Dichloran-Glycerin-Agar, Verdünnung 1:500): Selektivmedium für trockenheitstolerante (xerophile) Arten.
  • CASO-Agar (Verdünnung 1:5.000): Standardnährmedium zur quantitativen Erfassung der Gesamtbakterienbelastung.

Das Ergebnis: Selbst bei hohen Verdünnungsstufen von 1:5.000 zeigte sich ein massives Wachstum von Pilz- und Bakterienkolonien. Hochgerechnet ergab dies Gehalte von weit über 100.000 KBE/g (10⁵ KBE/g) – ein eindeutiger Nachweis für einen tiefgehenden, sanierungsrelevanten Befall.

Die Bewertungsgrundlage: Der UBA-Schimmelleitfaden

Zur objektiven und rechtssicheren Beurteilung von Materialproben zieht der Sachverständige den Leitfaden des Umweltbundesamtes (UBA) heran. Dieser definiert klare Schwellen- und Orientierungswerte für kultivierbare Schimmelpilze in Baustoffen:

Materialzustand / KategorieSchimmelpilzkonzentration (KBE/g)Fachliche Bewertung nach UBA
Fabrikneu / Trocken gelagertca. 10³ bis 10⁴ KBE/gUnbelasteter Hintergrundbereich; höhere Werte weisen bereits auf Vorkontamination oder Feuchteeinfluss hin.
Normalzustand (Bestand ohne Feuchteschaden)< 10⁵ KBE/gTypische mikrobiologische Hintergrundbelastung von Baustoffen.
Mikrobieller Befall (Sanierungsbedarf)≥ 10⁵ KBE/g (ab 100.000)Eindeutiges mikrobielles Wachstum im Material. Ein bloßes Trocknen reicht nicht aus; die befallene Dämmschicht muss ausgebaut werden.

Wichtiger Hinweis zur Bakterienbelastung (CASO): Erfahrungsgemäß liegen die Bakterienkonzentrationen bei Wasserschäden oft um eine Zehnerpotenz über den Schimmelpilzwerten. Insbesondere bei Grau- und Schwarzwasserschäden (wie fäkalienbelastetem Abwasser oder Überschwemmungen) ist die CASO-Untersuchung entscheidend, da Bakterien und Fäkalkeime bei reinen Pilztests unentdeckt bleiben.

Warum die Verdünnungsreihe für Betroffene und Regulierer unverzichtbar ist

  • Vermeidung von Fehlsanierungen: Wird eine Dämmschicht mit einem Befall von ≥ 10⁵ KBE/g einfach technisch getrocknet, verbleiben abgestorbene Sporen, Zellwandbestandteile (Glucane) und Mykotoxine im Fußbodenaufbau. Über Randfugen und Bauwerksundichtigkeiten gelangen diese biogenen Stoffe dauerhaft in die Innenraumluft.
  • Gerichtsfeste Dokumentation: Verdünnungsreihen nach DIN ISO 16000-21 liefern quantifizierbare Fakten statt vager Vermutungen – die verlässliche Grundlage für Gutachten, Versicherungsregulierungen und Sanierungsfreigaben.

Sie haben einen Feuchte- oder Wasserschaden im Gebäude?
Das Sachverständigenbüro schimmelhilfe24.de führt qualifizierte Kernbohrungen, sterile Beprobungen und mikrobiologische Laborauswertungen durch – für Klarheit und gesunde Innenräume.

Sachverständigenbüro Charles Knepper

Adresse: Kirchweg 4, 06295 Lutherstadt Eisleben

Telefon: 0177-400 71 30

E-Mail: gutachter-knepper@online.de

Web:schimmelhilfe24.de

Charles Knepper

öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Halle / Saale

Schreibe einen Kommentar