Schimmel und Gesundheit: Die wichtigsten WHO-Erkenntnisse im Überblick


Schimmel und Gesundheit: Die wichtigsten WHO-Erkenntnisse im Überblick

Schimmel in Wohnungen wird häufig erst dann ernst genommen, wenn große Flecken sichtbar werden oder wenn sich der muffige Geruch nicht mehr ignorieren lässt. Die Weltgesundheitsorganisation bewertet das Thema jedoch grundsätzlicher. In ihrer Leitlinie „WHO guidelines for indoor air quality: dampness and mould“ beschreibt sie Feuchte und Schimmel in Innenräumen als gesundheitlich relevante Risikosituation mit besonders deutlichen Bezügen zu den Atemwegen und zu Asthma.

Die zentrale WHO-Botschaft

Die WHO kommt zu dem Ergebnis, dass Bewohner von feuchten oder schimmelbelasteten Gebäuden einem erhöhten Risiko für respiratorische Symptome, Atemwegsinfektionen und Asthmaverschlechterungen ausgesetzt sind. Zusätzlich sieht die WHO Hinweise auf erhöhte Risiken für allergische Rhinitis und Asthmaentwicklung.

Das ist für die Praxis wichtig, weil die WHO damit klarstellt: Schimmel und Feuchte sind nicht nur ein Wohnkomfortproblem, sondern ein Thema des Gesundheitsschutzes.

Welche Gesundheitswirkungen die WHO besonders hervorhebt

Die WHO nennt in ihrer zusammenfassenden Bewertung mehrere Gesundheitsbereiche, für die ausreichende epidemiologische Evidenz für Assoziationen besteht. Dazu gehören:

  • Atemwegssymptome allgemein
  • obere Atemwegssymptome
  • Husten
  • Wheeze / pfeifende Atmung
  • Dyspnoe / Atemnot
  • Atemwegsinfektionen
  • current asthma / aktuelle Asthmabeschwerden
  • Asthmaentwicklung
  • Asthmaexazerbation / Verschlechterung bestehender Asthmaerkrankungen.

Damit ist die WHO in einem Punkt sehr klar: Die stärksten gesundheitlichen Bezüge liegen im Bereich der Atemwege.

Respiratorische Symptome: Der wichtigste WHO-Schwerpunkt

In Kapitel 4 der Leitlinie fasst die WHO die epidemiologische Literatur zusammen und kommt zu dem Schluss, dass zwischen indoor dampness-related factors und einer breiten Palette respiratorischer Gesundheitswirkungen ausreichende Zusammenhänge bestehen. Wörtlich werden dabei unter anderem upper respiratory tract symptoms, cough, wheeze und dyspnoea genannt.

Für die Alltagsbewertung bedeutet das: Beschwerden wie anhaltender Husten, pfeifende Atmung, Atemnot oder Reizungen im oberen Atemwegsbereich sind nach WHO gerade keine nebensächlichen Begleiterscheinungen, sondern gehören zu den zentralen gesundheitlichen Wirkungen, die in feuchten oder schimmelbelasteten Innenräumen immer mitbedacht werden müssen.

Atemwegsinfektionen: Auch dieser Zusammenhang wird von der WHO betont

Ein besonders wichtiger Punkt ist, dass die WHO nicht nur über Allergien oder Reizerscheinungen spricht. Sie nennt ausdrücklich auch respiratory infections als gesundheitliche Folge, für die ausreichende epidemiologische Evidenz einer Assoziation mit Feuchte und Schimmel vorliegt.

Im Summary der Leitlinie wird das nochmals wiederholt: Bewohner damp or mouldy buildings haben ein erhöhtes Risiko für respiratory symptoms, respiratory infections and exacerbation of asthma.

Für die Praxis in Wohnungen heißt das: Schimmel und Feuchte sind nicht nur mit typischen Reiz- oder Allergiesymptomen verbunden, sondern können auch im Zusammenhang mit infektanfälligen Atemwegen betrachtet werden.

Asthma: Einer der stärksten WHO-Befunde

Asthmaverschlechterung

Die WHO bewertet den Zusammenhang zwischen Feuchte/Schimmel und Asthmaexazerbation besonders stark. In Kapitel 4.4 heißt es, dass die epidemiologische Evidenz zwar insgesamt nicht ausreicht, um für jede Wirkung eine strenge Kausalität festzustellen, dass aber die Ergebnisse einer starken Interventionsstudie zusammen mit den übrigen Studien darauf hindeuten, dass dampness or mould asthma in children exacerbates.

Noch deutlicher wird die WHO an anderer Stelle: Eine Interventionsstudie zeigte, dass die umfassende Beseitigung von Feuchte- und Schimmelquellen sowie die Reinigung sichtbaren Schimmels Asthmaexazerbationen bei Kindern deutlich reduzierte. Das spricht nach WHO stark für einen ursächlichen Zusammenhang im Bereich der Asthmaverschlechterung.

Asthmaentwicklung

Die WHO nennt außerdem Asthma development ausdrücklich als Gesundheitswirkung mit ausreichender epidemiologischer Evidenz für eine Assoziation. Besonders betont wird, dass dies aus Public-Health-Sicht von hoher Bedeutung ist.

In einem von der WHO hervorgehobenen Studiendesign zeigte sich sogar eine dosisabhängige Beziehung zwischen dem Schweregrad von Feuchteschäden und der Asthmaentwicklung bei Kindern.

Current asthma

Auch current asthma, also aktuelle Asthmabeschwerden bzw. bestehendes Asthma im aktuellen Gesundheitszustand, wird von der WHO als ausreichend assoziiert geführt. Die WHO verweist zudem auf zusammenfassende Schätzungen, nach denen residential dampness mit einer deutlichen Zunahme entsprechender Asthma-Outcome-Kategorien verbunden ist.

Allergien: Ja, aber differenziert

In der Kurzfassung und im Abstract nennt die WHO allergies ausdrücklich als Teil des gesundheitlichen Problemfeldes bei mikrobieller Innenraumbelastung.

Bei genauerer Auswertung bleibt die WHO jedoch differenziert:

  • Für allergic rhinitis sieht sie limited or suggestive evidence of association.
  • Für allergy or atopy insgesamt hält sie die Evidenz dagegen für inadequate or insufficient.

Das ist für eine seriöse Aufklärung sehr wichtig. Die WHO sagt also nicht pauschal: „Schimmel verursacht allgemein Allergien.“ Sie unterscheidet zwischen einzelnen Outcomes und bewertet die Evidenz abgestuft.

Seltene, aber wichtige Erkrankungen

Neben den häufigen Atemwegs- und Asthmabeschwerden beschreibt die WHO auch seltenere, klinisch bedeutsame Erkrankungen, für die klinische Evidenz vorliegt. Dazu gehören:

  • Hypersensitivitätspneumonitis
  • allergische Alveolitis
  • chronische Rhinosinusitis
  • allergische Pilzsinusitis
  • Schimmelinfektionen bei empfänglichen Personen.

Diese Erkrankungen betreffen nicht jeden Bewohner feuchter Gebäude, sind aber für die fachliche Einordnung wichtig, weil sie zeigen, dass Schimmel- und Feuchteprobleme nicht auf einfache Reizerscheinungen reduziert werden dürfen.

Nicht nur Allergiker sind betroffen

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass Schimmel nur für Allergiker oder bereits sensibilisierte Personen ein Problem sei. Die WHO formuliert das breiter. Sie hält fest, dass sowohl atopic als auch nonatopic people für adverse health effects im Zusammenhang mit Dampness und Mould empfänglich sein können, auch wenn einige Outcomes bei Atopikern häufiger sind.

Das ist für die Wohnraumpraxis bedeutsam: Auch ohne bekannte Schimmelallergie kann eine feuchte oder schimmelbelastete Wohnung gesundheitlich relevant sein.

Warum die WHO nicht nur auf einzelne Schimmelarten schaut

Die WHO betont, dass die verantwortlichen einzelnen Mikrobenarten oder einzelnen biologischen Agenzien als Ursache der beobachteten Gesundheitswirkungen meist nicht sicher identifiziert werden können. Gründe dafür sind die gleichzeitige Exposition gegenüber mehreren Agenzien, Schwierigkeiten der Expositionsabschätzung und die Vielzahl möglicher Symptome und Outcomes.

Deshalb konzentriert sich die WHO auf die Gesamtrisikosituation aus Feuchte, mikrobieller Belastung und Exposition, nicht auf die alleinige Frage nach einer bestimmten Pilzart.

Was die WHO ausdrücklich nicht sagt

Für eine sachliche Bewertung ist ebenso wichtig, was die WHO nicht behauptet:

  • Sie sagt nicht, dass jede Schimmelstelle automatisch eine schwere Erkrankung verursacht.
  • Sie sagt nicht, dass jede gesundheitliche Wirkung bereits als streng kausal bewiesen ist.
  • Sie sagt nicht, dass einzelne Messungen mikrobiologischer Stoffe das Risiko sicher und vollständig erklären.

Die WHO ist wissenschaftlich präzise: Für viele Gesundheitswirkungen gibt es ausreichende Evidenz für Assoziationen, aber nicht in jedem Punkt eine endgültige Einzelkausalität.

Was das für Wohnungen in Deutschland bedeutet

Für den deutschen Markt ist die WHO-Leitlinie besonders wertvoll. In der Praxis geht es häufig um dieselben Fragen:

  • Ist sichtbarer Schimmel nur optisch störend oder gesundheitlich relevant?
  • Spielen Husten, Atemnot oder Asthmabeschwerden eine Rolle?
  • Muss ein Feuchteschaden weiter untersucht werden?
  • Reicht es, den Schimmel oberflächlich zu entfernen?

Die WHO gibt eine klare Richtung vor: Feuchte und Schimmel sind ernst zu nehmen, vor allem wegen der gesundheitlichen Bedeutung für die Atemwege. Hinweise wie sichtbarer Schimmel, Schimmelgeruch, Kondensation und Wasserschadenshistorie sind relevante Warnzeichen.

Fazit

Die wichtigsten WHO-Erkenntnisse zu Schimmel und Gesundheit sind klar: Feuchte und schimmelbelastete Innenräume stehen in Zusammenhang mit respiratorischen Symptomen, Atemwegsinfektionen, Asthmaentwicklung und Asthmaverschlechterung. Gerade im Bereich der Atemwegsgesundheit ist die Evidenz nach WHO besonders stark.

Zusätzlich gibt es Hinweise auf allergische Rhinitis und klinische Evidenz für seltenere Erkrankungen wie Hypersensitivitätspneumonitis oder allergische Alveolitis. Gleichzeitig bleibt die WHO differenziert und bewertet nicht jede Einzelwirkung gleich stark. Entscheidend ist die Gesamtsituation aus Feuchte, mikrobieller Belastung und Exposition, nicht nur die sichtbare Schimmelfläche oder eine einzelne Pilzart.

Quelle

World Health Organization (WHO): WHO guidelines for indoor air quality: dampness and mould. WHO Regional Office for Europe, 2009.
Für diesen Beitrag besonders relevante Fundstellen: Executive Summary, Kapitel 4.1.5, Kapitel 4.4 und Kapitel 5.1.

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Charles Knepper

öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Halle / Saale

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