Schimmel links und rechts am Fenster: Warum Anschlussfugen und Gipsputz zu Problemzonen werden

Schimmel am Fensteranschluss entsteht häufig nicht zufällig. Zeigt sich der Befall als dunkler Streifen links und rechts des Kunststoffrahmens oder im Bereich oberhalb des Fensters, liegt dort meist eine besonders kalte oder zusätzlich durchfeuchtete Bauteilzone vor.

Bei meinen Ortsterminen treffe ich regelmäßig auf Fenster, deren Rahmen scheinbar ordentlich in den Innenputz eingebunden wurden. Sichtbar ist zunächst nur ein bündiger, abgefilzter Putzanschluss. Was sich dahinter befindet, bleibt verborgen.

Im Anschlussbereich können unter anderem vorhanden sein:

  • Mauerwerk mit Ausbrüchen und Unebenheiten,
  • Befestigungsmittel und Distanzklötze,
  • Montageschaum oder andere Dämmstoffe,
  • Hohlstellen und nicht vollständig gefüllte Fugen,
  • innere und äußere Abdichtungsmaterialien,
  • Putzanschlussprofile,
  • Gips-, Kalk-, Kalkzement- oder Mischputze,
  • alte Dichtstoffe und Beschichtungen.

Gerade an älteren oder handwerklich unzureichend ausgeführten Anschlüssen fehlen häufig durchgängige Funktionsschichten. Kalte Luft kann eindringen, warme Raumluft kann in die Fuge strömen oder Schlagregen kann von außen in den Anschluss gelangen.

Wird die innere Oberfläche dadurch ausreichend kalt oder feucht, entstehen günstige Voraussetzungen für Schimmelpilzwachstum.

Warum der Fensteranschluss eine Wärmebrücke ist

Eine Wärmebrücke ist ein Bereich der Gebäudehülle, über den im Vergleich zu den angrenzenden Flächen mehr Wärme nach außen abfließt.

Am Fenster können unterschiedliche Arten von Wärmebrücken zusammenkommen.

Geometrische Wärmebrücken

An der Fensterlaibung steht einer relativ kleinen raumseitigen Oberfläche eine größere wärmeabgebende Außenfläche gegenüber. Allein diese Geometrie kann dazu führen, dass die innere Oberfläche stärker auskühlt als die ungestörte Außenwand.

Materialbedingte Wärmebrücken

Fensterrahmen, Mauerwerk, Beton, Stahl, Montagematerialien und Putz besitzen unterschiedliche Wärmeleitfähigkeiten. Ein Betonsturz, ein Stahlträger oder eine schlecht gedämmte Anschlussfuge kann den Wärmeabfluss lokal erhöhen.

Konstruktionsbedingte Wärmebrücken

Wird die Wärmedämmebene am Fenster unterbrochen oder die Anschlussfuge nicht vollständig gedämmt, entsteht eine konstruktive Schwachstelle.

Die DIN 4108-2 legt Mindestanforderungen an den Wärmeschutz von Bauteilen und Wärmebrücken beheizter Gebäude fest. Für die Beurteilung bestehender Schäden müssen jedoch immer der konkrete Aufbau, die Nutzung und die klimatischen Randbedingungen berücksichtigt werden.

Was befindet sich zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk?

Die Fuge zwischen Fenster und Baukörper muss mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen.

Sie muss:

  • das Fenster mechanisch sicher mit dem Baukörper verbinden,
  • Bewegungen aufnehmen,
  • den Wärme- und Schallschutz unterstützen,
  • raumseitig luftdicht sein,
  • außenseitig Schlagregen abhalten,
  • eine kontrollierte Austrocknung ermöglichen.

Montageschaum kann die mittlere Fugenebene dämmen. Er ersetzt aber nicht automatisch die raumseitige Luftdichtheit oder den äußeren Wetterschutz.

Nach den Montagegrundsätzen des ift Rosenheim muss die Anschlussfuge raumseitig umlaufend luftdicht und außenseitig schlagregendicht ausgebildet werden. Feuchtigkeit, die dennoch in die Konstruktion gelangt, muss kontrolliert nach außen abgeführt werden können.

Warum Montageschaum allein häufig nicht ausreicht

Bei älteren oder unsachgemäßen Fenstermontagen finde ich immer wieder:

  • nur punktuell eingebrachten Schaum,
  • Lücken zwischen Schaum und Mauerwerk,
  • offene Fugen an Befestigungspunkten,
  • vollständig fehlende Fugenfüllungen,
  • durch Alterung geschädigte Schaumzonen,
  • abgeschnittenen und ungeschützten Schaum,
  • fehlende innere Abdichtung,
  • gerissene äußere Putzanschlüsse.

Durch eine innere Undichtheit kann warme, feuchte Raumluft in die Anschlussfuge strömen. Kühlt sie innerhalb der Konstruktion ab, steigt dort die relative Feuchtigkeit. Unter ungünstigen Bedingungen kann Tauwasser entstehen.

Dringt von außen kalte Luft ein, sinken zugleich die Temperaturen der raumseitigen Putz- und Rahmenoberflächen.

Das Ergebnis kann ein schmaler Schimmelstreifen genau entlang des Fensterrahmens sein.

Gipsputz am Fenster: leicht zu verarbeiten, aber nicht für jede Belastung geeignet

Im Innenausbau wird häufig Gipsputz verwendet. Er lässt sich gut verarbeiten, glätten und filzen. Deshalb findet man ihn auch an vielen Fensterlaibungen und Rahmenanschlüssen.

Gipsputz ist jedoch nicht automatisch die Ursache eines Schimmelschadens. Ein trockener und fachgerecht verarbeiteter Gipsputz kann in Innenräumen grundsätzlich verwendet werden.

Problematisch wird die Situation, wenn der Putz:

  • regelmäßig durch Kondensation befeuchtet wird,
  • durch Schlagregen oder eine undichte Anschlussfuge durchfeuchtet,
  • nur sehr langsam abtrocknet,
  • bereits tiefgreifend mikrobiell besiedelt ist,
  • seine Festigkeit oder Haftung verloren hat,
  • mit Tapeten, Kleistern, Staub oder organischen Beschichtungen verbunden ist.

Gips selbst ist ein mineralischer Baustoff. Fachlich sollte deshalb nicht pauschal davon gesprochen werden, dass der Gips „fault“. Bei lang anhaltender Durchfeuchtung können Gipsputze jedoch erweichen, an Festigkeit verlieren und durch Lösungs- sowie Umkristallisationsprozesse geschädigt werden.

Schimmelpilze verwerten außerdem organische Bestandteile auf oder in der Oberfläche, beispielsweise Staub, Dispersionsfarben, Tapetenkleister, Zellulosefasern oder bestimmte Zusatzstoffe.

Ein handelsüblicher Haftputzgips wie Rotband ist laut Hersteller für Innenräume mit üblicher Luftfeuchtigkeit vorgesehen. Sein angegebener pH-Wert liegt im alkalischen Bereich. Daraus folgt jedoch nicht, dass dauerhaft durchfeuchteter Gipsputz schimmelsicher wäre.

Kann Schimmel in den Gipsputz einwachsen?

Bei einem länger bestehenden Schaden kann sich der Befall über die sichtbare Oberfläche hinaus in poröse Putz-, Farb- und Spachtelschichten ausbreiten.

Pilzfäden können in:

  • Poren,
  • Risse,
  • Tapetenschichten,
  • Kleisterreste,
  • Farbanstriche,
  • Spachtelmassen,
  • angrenzende Fugenzonen

eindringen.

Ob nur eine oberflächliche Reinigung ausreicht, hängt deshalb vom Material, von der Befallstiefe und vom Zustand des Untergrundes ab.

Ist der Putz nur oberflächlich verschmutzt, trocken und fest, kann eine fachgerechte Reinigung unter bestimmten Voraussetzungen genügen. Ist er dagegen tief befallen, wiederholt durchfeuchtet, mürbe oder nicht mehr fest mit dem Untergrund verbunden, ist ein mechanischer Ausbau häufig die zuverlässigere Lösung.

Der aktuelle Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes richtet sich ausdrücklich an Sachverständige, Fachunternehmen, Labore und Wohnungsunternehmen. Er stellt die Ursachenklärung und die materialbezogene Sanierungsplanung in den Mittelpunkt.

Die wichtige Unterscheidung: Taupunkt und Schimmeltemperatur

In der Praxis werden Taupunkt und kritische Oberflächentemperatur häufig miteinander verwechselt.

Der Taupunkt

Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die Luft abgekühlt werden muss, damit sie mit Wasserdampf gesättigt ist und Tauwasser entstehen kann.

Bei einem Raumklima von ungefähr 20 Grad Celsius und 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt bei rund 9,3 Grad Celsius.

Erreicht eine Oberfläche diese Temperatur, kann sichtbares oder messbares Kondensat entstehen.

Die schimmelkritische Oberflächenfeuchte

Schimmel kann bereits wachsen, bevor sichtbares Tauwasser entsteht. Entscheidend ist die relative Feuchtigkeit unmittelbar an der Materialoberfläche.

Bei den häufig verwendeten normbezogenen Randbedingungen von 20 Grad Celsius Raumlufttemperatur und 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit wird eine Oberflächentemperatur von ungefähr 12,6 Grad Celsius als kritische Größenordnung zur Vermeidung langfristig hoher Oberflächenfeuchten herangezogen.

12,6 Grad Celsius sind deshalb nicht der allgemeine Taupunkt und auch keine universelle Schimmelgrenze.

Der Wert gilt nur für bestimmte angenommene Randbedingungen. Ändern sich Raumtemperatur oder Luftfeuchtigkeit, verändert sich auch die erforderliche Oberflächentemperatur.

Was höhere Raumluftfeuchte am Fenster bewirkt

Bei 20 Grad Celsius verändert sich der Taupunkt ungefähr folgendermaßen:

  • bei 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit: rund 9,3 Grad Celsius,
  • bei 55 Prozent: rund 10,7 Grad Celsius,
  • bei 60 Prozent: rund 12 Grad Celsius,
  • bei 65 Prozent: rund 13,2 Grad Celsius.

Diese Werte zeigen: Bereits ein mäßiger Anstieg der Raumluftfeuchtigkeit erhöht die Temperatur, bei der Tauwasser ausfallen kann.

Noch früher steigt die oberflächennahe relative Feuchtigkeit in einen schimmelkritischen Bereich.

Eine Laibung, die bei 20 Grad Raumtemperatur und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit gerade noch unauffällig bleibt, kann bei 60 oder 65 Prozent Raumluftfeuchtigkeit deutlich stärker belastet werden.

Das Umweltbundesamt empfiehlt, die relative Raumluftfeuchtigkeit zur Verringerung des Schimmelrisikos im Allgemeinen zwischen etwa 40 und 60 Prozent zu halten. In schlecht gedämmten Gebäuden kann im Winter an sehr kalten Außenbauteilen auch ein niedrigerer Wert erforderlich sein.

Enthält Luft oberhalb von 50 Prozent „überschüssiges Wasser“?

Nicht im wörtlichen Sinn. Bei 55 oder 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit befindet sich die Luft noch unterhalb der Sättigung.

Sie enthält jedoch mehr Wasserdampf als bei 50 Prozent. Trifft diese Luft auf eine kalte Oberfläche, ist weniger zusätzliche Abkühlung notwendig, um eine hohe Oberflächenfeuchte oder den Taupunkt zu erreichen.

Entscheidend sind deshalb immer drei Größen:

  1. Raumlufttemperatur,
  2. relative Raumluftfeuchtigkeit,
  3. Temperatur der Bauteiloberfläche.

Nur wenn diese Werte gemeinsam betrachtet werden, lässt sich das Kondensationsrisiko fachlich bewerten.

Warum eine Thermografie allein noch kein Beweis ist

Mit einer Wärmebildkamera können kalte Bereiche am Fensteranschluss sichtbar gemacht werden.

Typische Auffälligkeiten sind:

  • kalte Linien entlang des Rahmens,
  • stark abgekühlte obere Fensterecken,
  • kalte Streifen unter Fensterbänken,
  • unregelmäßige Temperaturfelder durch Hohlstellen,
  • deutlich kältere Sturzbereiche,
  • Hinweise auf Luftströmungen.

Eine Thermografie zeigt jedoch zunächst nur Oberflächentemperaturen beziehungsweise Temperaturunterschiede.

Sie beweist nicht automatisch:

  • dass Montageschaum fehlt,
  • dass Wasser von außen eindringt,
  • dass der Befall allein durch Kondensation entstand,
  • dass ein bestimmtes Nutzerverhalten ursächlich war.

Für eine belastbare Bewertung müssen die Wärmebilder mit Klima-, Feuchte- und Bauteiluntersuchungen kombiniert werden.

Wie wird der Taupunkt vor Ort bestimmt?

Bei einem Ortstermin erfasse ich zunächst die aktuelle Raumlufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit.

Aus diesen Werten lässt sich der momentane Taupunkt berechnen. Anschließend werden die Oberflächentemperaturen in den auffälligen Bereichen gemessen.

Wichtig ist die fachliche Einschränkung: Eine einzelne Messung bildet nur den Zustand zum Zeitpunkt des Ortstermins ab.

Der Schaden kann jedoch entstanden sein:

  • bei wesentlich niedrigeren Außentemperaturen,
  • während höherer Raumluftfeuchtigkeit,
  • nachts bei reduzierter Heizung,
  • hinter geschlossenen Vorhängen,
  • während einer früheren Nutzungsphase,
  • nach einem Schlagregenereignis.

Deshalb können zusätzlich erforderlich sein:

  • längerfristige Datenloggeraufzeichnungen,
  • Messungen bei winterlichen Außenbedingungen,
  • Thermografie,
  • Feuchteprüfungen,
  • Untersuchung der Anschlussfuge,
  • bauphysikalische Berechnungen.

Wann ist eine Taupunktbetrachtung beweiskräftig?

Eine Taupunkt- und Oberflächentemperaturbetrachtung kann einen Kondensationsvorgang plausibel nachweisen, wenn:

  • die Messbedingungen bekannt sind,
  • ausreichend kalte Oberflächen festgestellt werden,
  • das Raumklima nachvollziehbar erfasst wurde,
  • der Schadensort mit der kalten Zone übereinstimmt,
  • keine vorrangige Durchfeuchtung von außen vorliegt,
  • der zeitliche Verlauf zum Schadenbild passt.

Sie darf jedoch nicht isoliert eingesetzt werden, wenn beispielsweise Risse im Außenputz, undichte Fensterbänke oder feuchtes Mauerwerk vorhanden sind.

Kondensation und eindringender Schlagregen können sich außerdem überlagern.

Warum ein niedrigerer Feuchtewert das Risiko reduziert

Wird die Raumluftfeuchtigkeit gesenkt, sinkt der Taupunkt. Gleichzeitig muss eine Oberfläche stärker abkühlen, bevor die oberflächennahe Feuchtigkeit kritische Werte erreicht.

Das kann durch folgende Maßnahmen unterstützt werden:

  • bedarfsgerechtes Stoßlüften,
  • ausreichendes und möglichst gleichmäßiges Heizen,
  • Nutzung vorhandener Abluftanlagen,
  • Begrenzung unnötiger Feuchteeinträge,
  • ausreichende Luftbewegung an Außenbauteilen,
  • Kontrolle mit einem Hygrometer.

Diese Maßnahmen können das Risiko deutlich reduzieren.

Sie beseitigen jedoch keine:

  • offene Fensteranschlussfuge,
  • fehlende Wärmedämmung,
  • massive geometrische Wärmebrücke,
  • undichte Fensterbank,
  • Schlagregenbelastung,
  • durchfeuchtete Außenwand.

Die Gebäudekonstruktion und die Nutzung müssen gemeinsam betrachtet werden.

Kalkputz statt Gipsputz: Wann ist das sinnvoll?

Bei wiederholt feuchtebelasteten Fensterlaibungen kann ein geeigneter mineralischer Kalkputz Bestandteil einer Sanierung sein.

Kalkputze können Vorteile besitzen:

  • mineralischer Aufbau,
  • gute Wasserdampfdurchlässigkeit,
  • kapillare Feuchteverteilung je nach Produkt,
  • zunächst hohe Alkalität,
  • keine notwendige organische Nahrungsgrundlage,
  • gute Eignung für viele mineralische Altbauuntergründe.

Eine hohe Alkalität kann die Ansiedlung vieler Mikroorganismen erschweren. Sie stellt aber keinen dauerhaften Schutz gegen Schimmel dar.

Durch die Aufnahme von Kohlendioxid karbonatisiert Kalk. Der pH-Wert sinkt im Laufe der Zeit. Lagern sich Staub und andere organische Stoffe auf der Oberfläche ab und bleibt diese dauerhaft feucht, kann auch auf einem Kalkputz Schimmel wachsen.

Kalkputz ist schimmelhemmend, aber nicht schimmelsicher.

Die wichtigste Maßnahme bleibt deshalb die Beseitigung der Feuchte- und Wärmebrückenursache.

Reiner Kalkputz oder Kalkzementputz?

Die Produktauswahl muss zum Untergrund und zur Beanspruchung passen.

Ein reiner Luftkalkputz kann für historische und diffusionsoffene Konstruktionen geeignet sein. Er benötigt jedoch passende Untergründe und geeignete Verarbeitungsbedingungen.

Ein hydraulischer Kalk- oder Kalkzementputz kann höhere Festigkeiten und eine andere Feuchtebeständigkeit besitzen. Er ist jedoch nicht automatisch für jeden weichen Altputz oder Natursteinanschluss geeignet.

Zu prüfen sind unter anderem:

  • Festigkeit des vorhandenen Mauerwerks,
  • Salzbelastung,
  • Saugfähigkeit,
  • vorhandene Feuchtigkeit,
  • notwendige Schichtdicke,
  • Bewegungen der Anschlussfuge,
  • Oberflächenbeschichtung,
  • bauphysikalisches Gesamtkonzept.

Die Entscheidung „Gips heraus, Kalk hinein“ kann richtig sein, darf aber nicht ohne Prüfung des gesamten Anschlusses erfolgen.

Wann muss der Gipsputz entfernt werden?

Ein Ausbau ist insbesondere zu prüfen, wenn:

  • der Befall tief in den Putz eingedrungen ist,
  • der Untergrund dauerhaft feucht war,
  • der Putz weich, mürbe oder hohl liegt,
  • wiederholte Reinigungen erfolglos blieben,
  • organische Tapeten- oder Farbschichten stark befallen sind,
  • eine beschädigte Anschlussfuge freigelegt werden muss,
  • Schlagregenfeuchtigkeit im Putz vorhanden ist.

Das mechanische Entfernen kann durch Abstemmen, Abschaben oder Schleifen erfolgen. Dabei müssen Staub- und Sporenfreisetzungen kontrolliert werden.

Der Sanierungsbereich richtet sich nach Befall, Materialzustand und Schadensursache. Pauschale Abstände ohne Untersuchung sind nicht sachgerecht.

Warum ein neuer Kalkputz allein nicht genügt

Wird lediglich der Gipsputz gegen Kalkputz ausgetauscht, während die Anschlussfuge kalt oder undicht bleibt, kann der Schaden erneut auftreten.

Vor dem Neuverputzen sind daher zu prüfen:

  1. Ist die Anschlussfuge vollständig gedämmt?
  2. Ist die innere Ebene luftdicht?
  3. Ist der äußere Anschluss schlagregensicher?
  4. Kann eingedrungene Feuchtigkeit austrocknen?
  5. Sind Fensterbank und Putzanschluss funktionsfähig?
  6. Liegt eine erhebliche geometrische Wärmebrücke vor?
  7. Ist eine Laibungsdämmung erforderlich?
  8. Ist das Mauerwerk ausreichend trocken?

Erst danach sollte der neue Putzaufbau geplant werden.

Laibungsdämmung zur Erhöhung der Oberflächentemperatur

Eine geeignete Laibungsdämmung kann die raumseitige Oberflächentemperatur erhöhen.

Dadurch sinkt das Risiko:

  • hoher oberflächennaher Luftfeuchtigkeit,
  • von Kondensation,
  • von wiederkehrendem Schimmelbefall,
  • unnötiger Wärmeverluste.

Die Dämmung muss jedoch fachgerecht an Fensterrahmen und angrenzende Wandflächen angeschlossen werden. Eine zu kurze, zu dünne oder unterbrochene Dämmung kann neue kritische Randzonen erzeugen.

Bei Innendämmungen sind zudem Feuchteverhalten, Schlagregenbelastung und Austrocknungsmöglichkeiten zu berücksichtigen.

Typische Fehler bei der Fenstersanierung

Nur den sichtbaren Schimmel abwischen

Der Putz, die Farbe oder die Anschlussfuge können bereits tiefer geschädigt sein.

Gipsputz pauschal als einzige Ursache bezeichnen

Der Putz ist häufig das geschädigte Material, nicht zwingend die primäre Ursache. Auslöser können Wärmebrücke, Luftundichtheit oder Schlagregen sein.

12,6 Grad als Taupunkt bezeichnen

Bei 20 Grad und 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt bei etwa 9,3 Grad. Die 12,6 Grad beziehen sich auf eine andere bauphysikalische Risikobetrachtung.

Montageschaum als vollständige Abdichtung ansehen

Die Fuge benötigt zusätzlich eine innere luftdichte und eine äußere wetterschützende Ebene.

Nur Kalkfarbe auftragen

Eine alkalische Beschichtung beseitigt weder kalte Oberflächen noch eine durchfeuchtete Fuge.

Raumluftfeuchte isoliert bewerten

50 oder 60 Prozent sagen ohne Kenntnis der Oberflächentemperaturen nicht genug über das konkrete Schimmelrisiko aus.

Allein mit Thermografie argumentieren

Wärmebilder müssen mit Messwerten und dem Bauteilaufbau abgeglichen werden.

Dem Bewohner pauschal falsches Lüften vorwerfen

Eine solche Bewertung ist erst nach Erhebung der baulichen und klimatischen Randbedingungen möglich.

Wie ich Fensteranschlüsse untersuche

Je nach Schadensbild kommen bei einem Ortstermin folgende Untersuchungen infrage:

  • Sichtprüfung des Innen- und Außenanschlusses,
  • Messung von Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit,
  • Oberflächentemperaturmessungen,
  • Taupunktberechnung,
  • Thermografie,
  • orientierende Feuchtemessungen,
  • Luftströmungsprüfung,
  • Endoskopie,
  • Sondierungsöffnung der Anschlussfuge,
  • Materialprüfung des Putzes,
  • mikrobiologische Probenahme,
  • längerfristige Datenloggeraufzeichnung.

Aus diesen Befunden wird eine objektbezogene Sanierungsstrategie entwickelt.

Interdisziplinäre Bewertung statt Standardrezept

Ein Schimmelschaden am Fenster betrifft häufig mehrere Fachbereiche gleichzeitig.

Bauphysik

Sie erklärt Wärmefluss, Oberflächentemperatur, relative Feuchtigkeit, Taupunkt und Austrocknung.

Bauwerksdiagnostik

Sie untersucht verdeckte Fugen, Materialfeuchte, Temperaturverteilung und konstruktive Auffälligkeiten.

Fenstertechnik

Sie bewertet Befestigung, Abdichtung, Dämmung und Wetterschutz des Fensters.

Bauchemie

Sie berücksichtigt Materialverträglichkeit, pH-Werte, Salzbelastungen, Haftung und Beschichtungssysteme.

Baubiologie und Mikrobiologie

Sie ordnen sichtbare und verdeckte mikrobielle Belastungen sowie geeignete Probenahmeverfahren ein.

Erst das Zusammenspiel dieser Fachrichtungen ermöglicht eine belastbare Bewertung.

Was Eigentümer und Vermieter tun sollten

Bei wiederkehrendem Schimmel am Fensteranschluss empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

  1. Schaden fotografisch dokumentieren.
  2. Raumklima und Oberflächentemperaturen untersuchen lassen.
  3. Den äußeren Anschluss auf Risse und Schlagregenschäden prüfen.
  4. Die Montagefuge bei begründetem Verdacht öffnen lassen.
  5. Geschädigte Putzschichten fachgerecht bewerten.
  6. Wärmebrücke und mögliche Laibungsdämmung untersuchen.
  7. Erst anschließend das Sanierungssystem auswählen.
  8. Den Erfolg in der folgenden Heizperiode kontrollieren.

Was Mieter tun können

Mieter sollten den Befall frühzeitig melden und nicht lediglich überstreichen.

Hilfreich sind:

  • Fotos mit Datum,
  • Aufzeichnungen zu Temperatur und Luftfeuchtigkeit,
  • Beobachtung von Kondenswasser,
  • Hinweise auf Zugluft,
  • Angabe, ob sich der Schaden bei Frost oder Schlagregen verstärkt,
  • Dokumentation früherer Sanierungen.

Bis zur Untersuchung sollte die Raumluftfeuchtigkeit möglichst kontrolliert und der Raum ausreichend temperiert werden.

Dies ersetzt keine bauliche Sanierung, kann aber eine weitere Verschärfung begrenzen.

Fazit: Schimmel am Fenster ist häufig ein Anschlussproblem

Schimmel links, rechts oder oberhalb eines Fensters ist häufig das Ergebnis mehrerer bauphysikalischer und konstruktiver Einflüsse.

Typische Faktoren sind:

  • geometrische Wärmebrücken,
  • materialbedingte Wärmebrücken,
  • fehlende oder lückenhafte Fugendämmung,
  • mangelnde innere Luftdichtheit,
  • fehlender äußerer Schlagregenschutz,
  • kalte und feuchte Gipsputze,
  • hohe Raumluftfeuchtigkeit,
  • ungeeignete Oberflächenbeschichtungen.

Gipsputz fault nicht im biologischen Sinn. Er kann bei lang anhaltender Feuchtigkeit jedoch geschädigt werden und zusammen mit organischen Oberflächenschichten einen geeigneten Untergrund für Schimmelpilzwachstum bilden.

Kalkputz kann aufgrund seines mineralischen Aufbaus und seiner anfänglichen Alkalität eine gute Sanierungskomponente sein. Er ersetzt aber weder die fachgerechte Fenstermontage noch die Beseitigung einer Wärmebrücke.

Auch die häufig genannte Temperatur von 12,6 Grad Celsius muss korrekt eingeordnet werden: Sie ist kein universeller Taupunkt, sondern eine kritische Oberflächentemperatur unter bestimmten normbezogenen Randbedingungen.

Eine seriöse Bewertung verbindet deshalb:

  • Raumklimamessung,
  • Oberflächentemperatur,
  • Taupunktberechnung,
  • Thermografie,
  • Feuchteuntersuchung,
  • Prüfung der Montagefuge,
  • Materialbewertung.

Erst danach lässt sich entscheiden, ob der Putz ausgetauscht, der Anschluss neu abgedichtet, die Fuge gedämmt oder die Laibung wärmetechnisch verbessert werden muss.

Eine abschließende Bewertung ist nur nach Untersuchung des konkreten Fensteranschlusses möglich.

Häufige Fragen zu Schimmel am Fensteranschluss

Warum schimmelt es genau links und rechts neben dem Fenster?

Die seitlichen Laibungen gehören häufig zu den kältesten Flächen der Außenwand. Zusätzlich können Lücken im Montageschaum, Luftundichtheiten oder eindringender Schlagregen vorhanden sein.

Sind 12,6 Grad Celsius der Taupunkt?

Nein. Bei 20 Grad Raumtemperatur und 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt ungefähr bei 9,3 Grad. Rund 12,6 Grad werden unter bestimmten normbezogenen Bedingungen als kritische Oberflächentemperatur zur Begrenzung hoher Oberflächenfeuchten verwendet.

Kann Gipsputz faulen?

Gips ist ein mineralischer Baustoff und fault nicht wie ein organisches Material. Bei lang anhaltender Durchfeuchtung kann Gipsputz jedoch erweichen, Festigkeit verlieren und tiefgreifend mikrobiell belastet werden.

Muss verschimmelter Gipsputz immer entfernt werden?

Nicht automatisch. Bei tiefem Befall, wiederholter Durchfeuchtung, Festigkeitsverlust oder einer notwendigen Öffnung der Montagefuge ist ein Ausbau häufig erforderlich. Ein oberflächlicher und trockener Befall kann anders zu bewerten sein.

Verhindert Kalkputz Schimmel vollständig?

Nein. Kalkputz kann durch seinen mineralischen Aufbau und seine anfängliche Alkalität schimmelhemmend wirken. Bleibt die Oberfläche dauerhaft feucht und verschmutzt, kann dennoch mikrobieller Bewuchs entstehen.

Reicht Montageschaum für einen Fensteranschluss aus?

Nein. Montageschaum übernimmt vor allem Aufgaben in der mittleren Dämm- und Funktionsebene. Zusätzlich werden eine raumseitige Luftdichtheit und ein äußerer Schlagregenschutz benötigt.

Hilft es, die Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent zu senken?

Eine niedrigere Raumluftfeuchtigkeit reduziert das Kondensations- und Schimmelrisiko. Sie kann aber eine offene Fuge, eine starke Wärmebrücke oder eindringenden Schlagregen nicht beseitigen.

Wie wird festgestellt, ob der Schimmel durch Kondensation oder Regenwasser entstand?

Dazu werden Schadensverlauf, Raumklima, Oberflächentemperaturen, Bauteilfeuchte, Thermografie und der äußere Fensteranschluss untersucht. Häufig ist zusätzlich eine Öffnung der Anschlussfuge erforderlich.

Schimmel am Fenster? Lassen Sie Montagefuge, Putz und Wärmebrücke gemeinsam untersuchen

Schimmel links und rechts neben dem Fensterrahmen sollte nicht lediglich abgewaschen oder überstrichen werden. Häufig liegt die entscheidende Ursache verdeckt hinter dem Putz oder innerhalb der Anschlussfuge.

Als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Holz- und Bautenschutz mit besonderer fachlicher Tätigkeit im Bereich Schimmelpilzerkennung und Sanierung untersuche ich:

  • Fensteranschlussfugen,
  • Montageschaum und Hohlstellen,
  • innere und äußere Abdichtungsebenen,
  • Gips-, Kalk- und Mischputze,
  • Fensterlaibungen und Sturzbereiche,
  • geometrische und materialbedingte Wärmebrücken,
  • Raumklima und Oberflächentemperaturen,
  • Schlagregen- und Feuchteschäden,
  • sichtbaren und verdeckten Schimmelbefall.

Je nach Aufgabenstellung setze ich Thermografie, Feuchte- und Klimamessungen, Datenlogger, Endoskopie, Sondierungsöffnungen und mikrobiologische Untersuchungsverfahren ein.

Ich unterstütze private Eigentümer, Mieter, Vermieter, Hausverwaltungen, Wohnungsunternehmen, Sanierungsbetriebe, Rechtsanwälte sowie öffentliche und gewerbliche Auftraggeber.

Sachverständigenbüro Charles Knepper
Kirchweg 4
06295 Lutherstadt Eisleben

Funk: 0177 4007130
E-Mail: gutachter-knepper@online.de

Web: schimmelhilfe24.de
Weitere Fachseiten: holzschutz-gutachten24.de, gutachter-knepper.de und bauschaden24.eu

Bundesweit für private, gewerbliche, öffentliche und gerichtliche Auftraggeber tätig.

Charles Knepper

öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Halle / Saale

Schreibe einen Kommentar