Schimmel in der Messi-Wohnung – Fallbeispiel aus Querfurt: Wenn extreme Wohnverhältnisse das Raumklima dauerhaft zerstören
Einleitung: Verwahrloste Wohnräume als Brutstätte für Schimmelpilze
Während sich viele Schimmelschäden auf bauliche Ursachen oder raumklimatische Bedingungen zurückführen lassen, kommt es in besonderen Fällen zu Schimmelbildung durch extreme hygienische Vernachlässigung. In sogenannten Messi-Wohnungen, also stark überfüllten und verwahrlosten Wohnverhältnissen, treffen zahlreiche Faktoren zusammen, die ein massives mikrobielles Wachstum begünstigen – dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit, ungenügende Belüftung, organische Abfälle und starke Geruchsentwicklung.
Ein besonders eindrucksvoller Fall aus der Praxis ereignete sich in Querfurt, wo unser Sachverständigenbüro im Auftrag eines Vermieters eine verlassene Wohnung nach jahrelanger Nutzung unter extremen hygienischen Bedingungen untersuchen sollte. Der ehemalige Bewohner, Herr A. D. (Name aus Datenschutzgründen anonymisiert), hatte die Wohnung ohne Übergabe verlassen. Bereits beim Öffnen der Wohnungstür war klar: Hier lag ein massiver Schaden vor.
Der Zustand bei Erstbesichtigung: Ein extremer Hygienefall
Beim Ortstermin bot sich ein erschütterndes Bild:
- Die gesamte Wohnung war vollständig mit Gegenständen, Müll und Abfällen überladen
- In Küche und Bad lagen verrottete Essensreste, stark kontaminierte Textilien und Einrichtungsgegenstände
- Fenster waren dauerhaft verschlossen, teilweise durch Möbel blockiert
- Deutlicher Schimmelgeruch war in allen Räumen vorhanden
- An Wänden und Decken zeigten sich großflächige Schimmelflächen, teils mit Fruchtkörpern
- Feuchtigkeit war in der Raumluft deutlich spürbar, die relative Luftfeuchtigkeit lag in allen Räumen über 80 %
Die Luft war schwer, stickig, belastet – ein typisches Zeichen für mikrobiell kontaminierte Innenräume über einen längeren Zeitraum.
Messungen und Befunde
Im Rahmen der Untersuchung wurden umfangreiche Messungen durchgeführt:
- Raumluftfeuchtigkeit (durchschnittlich): 84 %
- Raumtemperatur: 17,2 °C
- Oberflächenfeuchte an Außenwänden: bis 16 % (massiv erhöht)
- Luftkeimuntersuchung: massiv überhöhte Sporenbelastung auf MEA und DG18
- Dominante Arten: Aspergillus fumigatus, Aspergillus versicolor, Penicillium chrysogenum, Cladosporium herbarum
- Geruchsbelastung: modrig, süßlich, stechend – typisch für weit fortgeschrittene mikrobiologische Zersetzung
Die Wandbereiche hinter Möbeln waren besonders betroffen. In Bad und Küche war der Befall bis in die Bausubstanz vorgedrungen.
Bewertung des hygienischen Umfelds
Die Schimmelausbreitung war nicht punktuell, sondern flächendeckend. Die Ursachen lagen klar in den Wohnverhältnissen:
- Keine Belüftung über Jahre
- Starke Feuchteproduktion durch verdampfende Flüssigkeiten, nicht beseitigte Abfälle, Faulgase
- Überlagerte Lebensmittel, organischer Hausmüll, Textilien und Kleidung bildeten ideale Nährböden
- Keine Reinigung, keine Wartung, keine Entsorgung
- Offene Wasserquellen (z. B. Wasser in Eimern, verdunstetes Duschwasser) trugen zur dauerhaften Luftfeuchte bei
Die Schimmelbildung in der Wohnung war eine direkte Folge der dauerhaften Verwahrlosung und stellt in diesem Fall keinen klassischen baubedingten Schaden, sondern ein komplexes hygienisches Schadensbild dar.
Was der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes dazu sagt
Der UBA-Schimmelleitfaden (2024) bewertet Wohnungen mit übermäßiger mikrobieller Belastung als hygienisch inakzeptabel, wenn:
- Die Sporenkonzentrationen in der Luft stark erhöht sind
- Der Schimmel auf große Flächen auftritt oder in mehreren Räumen
- Eine Geruchsbelastung durch mikrobielle Prozesse vorliegt
In solchen Fällen ist eine vollständige Sanierung unumgänglich. Dies kann – je nach Umfang – den Rückbau von Estrich, Wandverkleidungen, Dämmungen und Oberflächenmaterialien beinhalten.
Unsere sachverständige Bewertung – umfassend, neutral und unabhängig
In unserem Gutachten wurde dokumentiert:
- Es liegt ein massiver, flächiger Schimmelbefall in mehreren Räumen vor
- Die Ursache ist nicht baulich, sondern wohnverhaltensbedingt
- Die hygienische Situation ist gesundheitsgefährdend – insbesondere für vulnerable Gruppen
- Eine fachgerechte Sanierung nach geltenden Richtlinien (z. B. WTA, UBA, DIN 68800) ist erforderlich
- Es besteht kein Zweifel an der Nutzungsursache
Das Gutachten diente dem Vermieter auch als Beweissicherung für rechtliche Schritte und als Grundlage für eine umfassende Sanierungsplanung. Die konkrete Umsetzung bleibt vertraulich.
Warum Messi-Wohnungen besonders anfällig für Schimmel sind
- Kein Luftaustausch, kein Temperaturausgleich
- Hohe organische Belastung durch Abfall, Textilien, Lebensmittel
- Ständige Feuchtequellen, ohne Verdunstung oder Abtrocknung
- Verdeckte Schäden durch unzugängliche Bereiche
- Keine Reinigung über Monate oder Jahre
Diese Kombination führt zu einem extrem belasteten Innenraumklima, in dem Schimmelpilze dauerhaft und unbegrenzt wachsen können – mit gesundheitlichen und bautechnischen Folgen.
Typische Merkmale stark belasteter Wohnungen
- Sichtbarer Schimmel an vielen Stellen, teils mit Schimmelrasen oder Fruchtkörpern
- Modriger Geruch, auch bei geöffneter Tür
- Deutlich erhöhte Luftfeuchtigkeit ohne erkennbare Feuchtigkeitsquelle
- Tierische Sekundärbesiedler wie Schimmelkäfer oder Silberfischchen
- Stark kontaminierte Oberflächen – auch an Möbeln, Textilien, Polstern
Fazit: Der Fall A. D. aus Querfurt – eine Wohnung in mikrobieller Endbelastung
Der Fall zeigt auf dramatische Weise, wie hygienische Verwahrlosung über längere Zeiträume zu baulich relevanten Schimmelschäden führen kann. Hier handelte es sich nicht mehr um einen Einzelfleck an einer Wand, sondern um eine vollständig kontaminierte Wohnumgebung, deren Sanierung eine komplette Entrümpelung, Reinigung und Rückbau erforderlich machte.
Solche Fälle sind zwar selten – aber sie kommen vor. Der sachverständige Blick ist hier entscheidend, um zwischen baulicher Ursache und Nutzerverantwortung unterscheiden zu können.
Extreme Schimmelbelastung? Hygienische Verwahrlosung? Vertrauen Sie der professionellen Analyse
Ob Schadensermittlung, Beweissicherung oder Sanierungsplanung: Wir unterstützen Sie als neutraler Gutachter bei allen Fragen rund um Schimmelpilzbefall in Innenräumen – auch in komplexen Sonderfällen.
Sachverständigenbüro Charles Knepper
06295 Lutherstadt Eisleben – Kirchweg 4
Funk: 0177 – 4007130
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Weitere Informationen:
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Quellen:
- Umweltbundesamt: Leitfaden zur Schimmelsanierung 2024
- WTA-Merkblatt E-4-12
- Eigene Schadensaufnahme und Protokollierung (Sachverständigenbüro Knepper)
